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Abrechnung in Veracruz Review

From The Spaghetti Western Database

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Abrechnung in Veracruz // 1963 // Director: Joaquín Luis Romero Marchent

Bevor die Welle italienische Western vollends über Europa schwappte, versuchten sich einige Regisseure, allen voran Harald Reinl mit seinen Karl May Verfilmungen, am Westerngenre. Auch J. L. R. Marchent drehte zu dieser Zeit einen Western. Es ist kein Geheimnis, dass sich die ersten europäischen Western stark an den amerikanischen pendants orrientierten, und so war es auch bei "Abrechnung in Veracruz".

James Walther lebt mit seiner Frau und seinen drei Söhnen auf seiner Ranch. Eines Tages erleben seine Söhne Chris, Brett und Jeff - noch im Kindes Alter - wie Banditen nach einem Bankraub skrupellos ihren Vater erschießen. Sie sinnen auf Rache - jeder auf seine Weise. Nach 25 Jahren kommen sie den Verbrechern auf die Spur. Jeff ist mittlerweile Sheriff von Veracruz, Chris ein gefürchteter Revolverheld, Brett hat die Farm übernommen und geheiratet. Es kommt zum Showdown, in dem jeder seine Ziele verfolgen will und wird...

Wie anfangs erwähnt, handelt es sich hierbei um einen sehr frühen Italo Western - und das sieht man ihm auch an. Zwar handelt es sich um eine klassische Rachestory, doch die Umsetzung wäre nach Django bestimmt anders ausgefallen. Es fehlt der gewisse Schliff, der den Western rauh machen würde. Konzeptionell ist der Film gut ausgearbeitet. Die Story ist rund und verläuft klar. Die Idee, die drei Brüder sich unterschiedlich entwickeln zu lassen, ist toll, hat jedoch noch mehr Potenzial. Der Film schleppt sich daher in der ersten Hälfte vor sich hin, um im lang erwarteten Finale zu enden. Es ist eigentlich die gesamte Zeit ein hin und her zwischen den Brüdern, die sich gegenseitig an ihre Rache erinnern und sich zur Vernunft bringen wollen. Eine sicherlich nicht ganz aufregende Zeit, wird sie dennoch durch Nebensächlichkeiten geschmückt. Eine der wohl besten Szenen ist das große Rodeofest, zu dem Cowboys aus der ganzen Gegend angereist kommen. Selten habe ich soviel Freude an einer Westernsequent gehabt, weil sie durch Leichtigkeit und Zufriedenheit nur so gestrahlt hat.

Die schauspielerischen Leistungen lassen ein wenig zu Wünschen übrig. Die drei Brüder agieren geradezu nur in ihren Rollen und das nicht sehr spektakulär. Die Stuntkoordinatoren scheinen sich in der Entwicklung des Western auch wesentlich gebessert zu haben, die Schlägereien wirken sehr falsch. Auch jetzt sind schon bekannte Gesichter zu erkennen, so Fernando Sancho, der eine erstaunlich liebreizende Rolle eines Mexikaners spielt, der sich auf der Walthers Farm niederlässt und eine Art Kindermädchen spielt. Er wertet den Cast jedoch auf. Ansonsten wirken die Charaktere sehr hölzern - Anthony Steffen lässt grüßen ;-)

Die Musik - obwohl von Riz Ortolani komponiert - wartet mit keiner speziellen Melodie auf. Es ertönen nur typische Westernklänge à  la Trompetengebläse und ähnlichem. Auch hier wird die Orientierung am traditionell amerikanischen Western klar. Die spezielle Italo Western Musik hat sich wohl erst durch A Fistful of Dollars geprägt.

Alles in allem ist diese Rarität keine Perle unter den Western. An Ideen hat es nicht gemangelt, die waren gut. Mir haben sie sogar ausgesprochen gut gefallen. Eine Umsetzung nach Fistful of Dollars und Django würde mich noch interessieren, denn das Potenzial, was im Film steckt, kann die Mittelmäßigkeit zwar nicht aufwerten, doch lässt es hoffen auf das was noch kommt - die Hochzeit des Western all'Italiana. --Lode 20:53, 4 May 2008 (UTC)

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