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Die sich in Fetzen schießen DVD Rezension - Italowestern Enzyklopädie

From The Spaghetti Western Database

Die sich in Fetzen schiessen DVD von Koch Media, Teil der Italowestern Enzyklopädie Vol. 2 Box (Amazon.de). Die Disc wurde uns von Koch Media für die Rezension zur Verfügung gestellt. Die anderen Titel der Box sind: Bleigericht, sowie Der Mann aus Virginia und Vier Teufelskerle.

Die sich in Fetzen schießen

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Gleich von Anfang weg kennt man dem Film sein Entstehungsdatum an. Der eingängige Titelsong und die bunten Opening Titles sind ganz klar aus seiner Zeit und legen quasi die Atmosphäre für den Film vor. Die Story erzählt dabei von einer Gruppe Banditen, die sich mit ihrer Beute in eine Geisterstadt zurückziehen. Warum, erfährt man leider nicht, aber so bleiben der Anführer Ganove und seine Frau, sowie ein weiterer dort erst einmal einige Zeit, der vierte wurde bei einem Überfall tödlich verwundet zurück gelassen. Richtig schräg wird der Film aber erst, als eine alte Frau in dieser Geisterstadt beginnt, den Ganoven Streiche zu spielen, und dann auch noch ein mysteriöser Fremder mit einer Frau auftaucht, denen die Gangster erst einmal kein Wort glauben. Ist ihre Beute sicher? Was wollen die Fremden? Außerdem traut der Chefganove seinem Kollegen nicht über den Weg, und die Nerven liegen ohnehin irgendwie blank, während draußen nachts der kalte Wüstenwind pfeifft, kommt es also zu Streitereien. Als dann der verstorben geglaubte vierte Mann wieder auftaucht, hagelt es quasi Blei, und der Staub erfährt eine blutige Dusche….

Amerigo Anton, wie Tanio Boccia sich hier nannte, inszeniert einen dreckigen, leicht düsteren low-budget Gothic-Western der frühen Stunde, der es vor allem in Sachen Produktsiondesign und Gewaltdarstellung in sich hat. Erstere ist dominiert von der Geisterstadt in der Boccia dieses Theaterstück aufzieht, zweitere ist vor allem durch seine Sinnlosigkeit und explizite Darstellung einmalig. Dabei möchte ich den Film nicht überbewerten. Dialoge, Gewalt, Aktionen, Figuren, alles meist sehr sinnbefreit und mit wenig Zusammenhang, auch die Darsteller verdienen sich hier keine Lorbeeren. Die Musik ist in Ordnung, vor allem die Titelmelodie ist sehr eingängig. Was mir gefallen hat ist der düstere Charakter, der Staub und die unheimliche Atmosphäre des Films, das gefällt mir auch bei einer Reihe anderer Italowestern sehr gut und ist meines Erachtens ein Trumpf im Ärmel vieler Italowestern Regisseure, wenn Sie von der Heiterkeit abweichen und einen Film richtig Düster werden lassen.

Das Drehbuch wurde später auch für Matalo wieder verwendet. Allerdings hat mich dieser Film sehr stark an Friedhof ohne Kreuze erinnert, wegen dem düsteren Setting, der Geisterstadt und den Kulissen.

Die DVD von Koch Media

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Das ist die zweite Box der Italowestern Enzyklopädie Reihe, ein wilkommener Schritt der Münchner, weitere Lücken zu schließen und übersehene Werke in guter Qualität für Fans und Sammler verfügbar zu machen. So kann sich das Bild durchaus sehen lassen, auch wenn es teilweise doch etwas blass ist, und Schlieren und Kratzer durchaus zu sehen sind. Dafür offenbart so manche Nahaufnahme erstaunlich guten Kontrast und Schärfe. Getestet habe ich den Englischen Ton, der niemanden vom Hocker haut, die anderen Spuren sind da ähnlich, insgesamt sind die aber alle in Ordnung finde ich. Es ist ein düsterer Film, da passt ein etwas düsteres Bild und etwas angestaubter Ton durchaus dazu.

Als Extras liegt hier ein Featurette “Der Preis des Goldes” bei, sowie ein Featurette “Vor Matalo”, dazu der Trailer des Films in allen drei Sprachen und die üblichen Bildergalerien. Das erste Feature geht etwas über 20 Minuten und besteht wie immer aus einem Interviews, in diesem Fall mit Daniela Igliozzi (spielt im Film den Charakter Molly). Kein obermäßig aufschlußreiches Interview, zumal auch ihr Charakter nicht so wichtig ist, und die Dame nicht zu den bekanntesten Leuten des damaligen Genres gehört. Das zweite Feature ist schon um einiges interessanter. Fabio Melelli steht als Filmhistoriker hier bereit und erzählt zum Film, seinem Hintergrund und den Personen, also Boccia, Drehbuchautor und den beteiligten Schauspielern. Mit 10 Minuten ist es aber auch nicht sehr lang, leider befasst es sich trotz des Titels nicht wirklich mit dem zweiten Leben des Drehbuchs.

Fazit

Die sich in Fetzen schießen ist eine schöne Abwechslung für alle die, die einen düsteren Gothic-Western im low-budget Gewand suchen. Schauspielerisch eher durchschnittlich, so sorgt Boccia dennoch für viel Unterhaltung, Brutalität und Atmosphäre. Koch Media sei Dank ist die Qualität wieder einmal gut und so war ich froh, auf diese Art und Weise mal wieder eine Lücke in meiner Italowestern Enzyklopädie schließen zu können. Ein wirklich interessanter Eintrag des Genrese auf einer echt soliden Veröffentlichung.

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