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Django - Die im Staub verrecken

From The Spaghetti Western Database

Django - Die im Staub verrecken (Escondido)

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THE DIRTY OUTLAWS (1967)
Besetzung:
  • Franco Giornelli
  • Rosemary Dexter

Musik:

Regie:

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English Review: The Dirty Outlaws Review

Steve Bellasco scheint im wilden Westen schon einiges auf dem Kerbholz zu haben, schließlich muss sein Spezi John (Aldo Berti) ihn gleich zu Beginn des Ganzen vom Galgen retten. Steve schwenkt nun aber keinesfalls auf den Pfad der Tugend ein, denn er trifft den sterbenden Soldaten Django und nimmt prompt dessen Identität – sprich: Uniform – an als dessen letzte Worte von einer großen Bonanza künden. Im Drecknest Escondido (es wird gleich deutlich: hier lässt es sich in der Tat trefflich im Staub verrecken) kann Steve mittels seiner Maskerade Djangos blinden Papi Sam (Pierro Lulli) von seiner neuen falschen Identität überzeugen und macht sich sogleich auf die Suche nach der Sore. Alles könnte nun so schön sein, doch im scheinbar ausgestorbenen Escondido geht es zu wie im Taubenschlag, da hier ein paar Aasgeier auf den durchreisenden Geldtransport warten, zwecks „Erleichterung“ des selben. Steve schmeckt das gar nicht, da er hier ja schließlich sein eigenes Süppchen kochen will. Doch wie das Leben so spielt kennt er den Räuberhauptmann Asher (Franco Giornelli) nebst Gespielin Lucie (Dana Ghia) von früher und kann so helfen, die Transaktion ohne viel Tamtam und Blutvergießen über die Bühne zu bringen. Allerdings ist Undank stets der Welten Lohn, und weil es zudem ohne Blutvergießen nur halb so viel Spaß macht, legt Asher die Bewacher des Geldes doch noch um, spielt Sam vor dessen unfreiwilligem Ableben noch übel mit und zuletzt darf Lucie noch Steve, ihr Ex-Gschpusi in die ewigen Jagdgründe schicken.

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Andrea Giordana kriegt die Motten.

Glücklicherweise ist Lucie noch dolle in Steve verknallt und tötet ihn nicht, so dass der jetzt rachemäßig groß auftrumpfen kann. Mit seinem Kumpel John nimmt er sich die Frevler vor, bis endlich auch Asher im Staub von Escondido verrecken darf.

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Frauen und Technik...
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Ghia mit Piffpaff.


Franco Rosetti hat hier einen spitzenmäßigen Film zustandegebracht, was zu einem großen Teil der erstklassigen Besetzung zuzuschreiben ist. Andrea Giordana, der leider nur dreimal im Genre aktiv war, leidet so schön, wie es Anthony Steffen in geschätzt 250 Spaghetti Western nicht hinbekommen hat. Er besitzt bei der Marter immer noch eine neutestamentarische Märtyreraura, die ihm ein Jahr später bei Enzo G. Castellaris Johnny Hamlet noch zu gute kommen sollte. Giordana ist sicher nicht jeder Manns Sache, ich finde ihn Klasse.


Pierro Lulli sieht als Blinder zwar ein wenig aus wie Papa Schlumpf auf Crack, doch er macht seine Sache wie immer hervorragend; ohnehin war Lulli im Italowestern eine Charaktermäßige Allzweckwaffe, die ihres gleichen suchte. Dana Ghia lebt cool und doch mit Freude an der Arbeit seine Schweinehundereien aus, dass es eine Pracht ist.

Seine Schwächen hat der Film, sobald Steves Freund John auftaucht. So ist da zum einen die einleitende Lynchmobszene in der John als Priester auftritt und Johns Gastspiele als Bonze gegen Ende. Beides mal wird die ansonsten düstere Stimmung herb kontrakariert, was vielleicht auch an Bertis Maskeraden liegt, die ich in einem Rachewestern einfach nicht sehen will. Sonst waren die deutschen Verleiher mit der Schere doch auch nicht zimperlich, man hätte doch wenigstens den Part mit dem Galgen rausschnipseln können! Zudem ist gerade diese Szene filmisch im Vergleich mit dem Rest ein Graus: billiges Bauerntheater vor italienischem Laubwald – unsere kleine Farm meets „gesundes Volksempfinden“.

Alles in allem ein Film, den es zu entdecken gilt. Die Westernstadt in der Escondido spielt ist altbekannt aus unzähligen Genreperlen, doch mir hat sich dieser Streifen so eindrücklich eingeprägt, dass ich beim Anblick eben dieser Stadt in anderen Filmen stets an Escondido denke…


--Dillinger 11:11, 25. August 2010



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