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Django spricht das Nachtgebet

From The Spaghetti Western Database

Il suo nome gridava vendetta

  • Englische Titel: A Name That Cried Revenge | Cry for Revenge | The Man Who Cried for Revenge
  • Deutscher Alternativtitel: Django sprich dein Nachtgebet

Nachtgebet Titel.jpg

Besetzung:

  • Anthony Steffen (Davy Flanagan)
  • William Berger (Sam Kellog)
  • Evelyn Stewart (Lisa Flanagan)
  • Robert Hundar (Clay Hacket)
  • Mario Brega (Dirty)
  • Raf Baldassere (Jack)
  • Fortunato Arena (Crazy Joe)

Musik:

  • Robby Poitevin

Buch:

  • Mario Caiano, Tito Carpi

Produktion:

  • Bianco Manini

Regie:

  • Mario Caiano

Uraufführung:

  • 28.7.1968

Inhalt

Der gute alte Bürgerkrieg war schon Anlass zu so mancher Italomär – so auch hier. Der arme Davy Flanagan (Anthony Steffen) kriegt gleich zu Anfang von einem unbekannten Südstaatenmiesepeter das Gedächtnis weggeballert. Kurz drauf dürfen wir Steffen bei dem sehen, was er am besten kann, nämlich leiden wie ein Hund. Ohne Gedächtnis fristet er nämlich ein gar kärglich Dasein und gibt den örtlichen Dorfpenner, der auch schon mal langeweilehalber von der Dorfjugend angekokelt wird. Doch die ländliche Idylle wärt nicht lange, denn ein Bountyhunter kennt Davy besser als er selbst und sackt ihn ein. Scheinbar ist Steffen eine große Nummer in der Branche. Des Kopfgeldjägers Talente sind leider recht überschaubar lässt er sich doch von Davy übertölpeln, dem jetzt zumindest wieder einfällt, dass er ein ganz passabler Gunslinger ist.

Home sweet home; mehr durch Zufall kommt Davy wieder in seine Heimatstadt, wo er nicht gerade offene Türen einrennt, weshalb er sich auch gleich diverse Feindseligkeiten von Leib schießen darf. Auch bei den Altvorderen löst Davys Rückkehr keine Begeisterungsstürme aus. Richter Kellog (William Berger) rät Freund Clay Hacket (Robert Hundar) gleich zur Abreise in Mario Bregas nahe gelegenes Banditendorado. Herr Clay war nämlich nicht faul und hat Davys Frauchen (Evelyn Stewart) geehelicht. Die scheint auch nicht mehr ganz die alte zu sein, musste sie sich doch die letzten Jahre den neuen Gemahl schönsaufen.

Bei einem intimen Gespräch stellt sich heraus, dass Kellog und Davy wohl alte Kumpels sind und der dem armen Heimkehrer beim reinwaschen seiner Weste unter die Arme greifen will, hat er doch den Verdacht, dass Hacket für Davys Strafregister verantwortlich ist. Zuversichtlich und mit ordentlich Spaß in die Backen rennt Davy dann auch dem nächstbesten Mob in die Arme und darf sich sogleich aus einem Gefangenentransport in Richtung Schafott befreien.

Steffen ist nun endgültig der Kragen geplatzt, seine Racheroutine kaum mehr aufzuhalten. Er schnappt sich Kellog und macht sich auf in Richtung Mario Bregas Bande, die wohl auch Davys Dreck am Stecken hat. Kellog ist ob der kleinen Entführung seiner Person not amused und büxt aus. Er zeigt nun endlich seine wahre Fratze, indem er sich auf die Seite der Frevler schlägt. Zusammen mit Hacket wartet er auf Steffen um ihm heimzuleuchten. Der war freilich auch nicht untätig und hat sich den längst überfälligen Schnaps- und Nitrotransport gekapert. Mit dieser Fuhre lehrt er nach und nach der ganzen Räuberbande Mores und spricht sein lang erwartetes Nachtgebet. Amen heißt es dann vor allem für Freund Berger, denn nach abermaligem Schlag auf die Rübe fällt’s Davy doch noch ein: „Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt! Der Kellog war der Südstaatenschweinehund!“


Der Film

Caiano hat’s vergeigt! Wem auch sonst sollte man den Vorwurf machen, dass dieser Film mal wieder nur Mittelmaß ist? Caiano hatte hier sehr gute Voraussetzungen für einen astreinen Rachestreifen, der sich aus dem Durchschnitt erhebt. Auf der Haben-Seite steht nämlich eine Darstellerriege, die einen mit der Zunge schnalzen lässt. Anthony Steffen liefert seine Standardleistung als vom Schicksal und seinen Mitmenschen Gebeutelter, der nur zu gerne zurückzahlt. William Berger ist als undurchschaubarer erst-gut-dann-Bösling eine Sensation und Hundar nimmt man auch den Finsterling mit Herz ohne weiteres ab. Ida Galli ist ein wenig verschenkt, mit dem bisschen Frustsaufen und Umherirren ist sie deutlich unterfordert. Darüber hinaus sind auch noch Mario Brega, Raf Baldasarre und viele weitere bekannte Gesichter beim wilden Budenzauber dabei. Auch Robby Poitevins Musik ist streckenweise sehr schmissig, vor allem das hübsche Titelthema mit Trompete ist voll auf der Spur. Enzo Barboni hat das ganze zudem nicht lieblos runtergekurbelt, sondern zeigt, warum er einer der Top-Leute an der Linse ist. Einige Einstellungen sind echt mit liebe zum Detail und dem Auge für’s Ganze fotografiert. Auch der trashige Laubwaldlook mit Graurotstich wird in Stimmung und Farbe den ganzen Film über wacker durchgehalten und sorgt für Ambiente. Außerdem kann er sogar der altbekannten Elios-Stadt noch neue Ansichten entlocken. Barboni hätte wohl selbst noch die Cave Studios zum Postkartenpanorama hochgepudert.

Nun, wo ist das Problem? Caiano hatte schließlich auch noch eine nicht gerade neue, aber doch grundsolide Ausgangsstory auf der Pfanne: Amnesie *** dich ins Knie! Das hat schon oft prima im Genre geklappt! So kommt der Film am Anfang auch richtig gut in Fahrt. Steffens hurtige Wandlung vom Dorftrottel zum Schützenkönig in wenigen Minuten lässt auf eine rasante Kutschfahrt hoffen, doch dann bleibt der Wagen im Treibsand der üblichen Sperenzchen stecken: saufen, raufen, randaliern. Spätestens wenn Mario Brega im Casino Royale zu sehen ist komme ich aus dem Backen aufblasen nicht mehr raus, denn schnell wird klar, dass sich nun bestimmt gleich um Moneten und Schnaps gekloppt wird – Bingo! Auch Steffens Strafexpedition mit Berger im Gepäck ist wenig erquicklich. Der Schluss ist dann ein echter Hammer. Steffen ist mit Ida Galli wieder traulich vereint und sie reiten in ein Sorgen- und Sufffreies Leben. So etwas Kitschiges ist mir noch selten untergekommen, denn die Musikuntermalung lässt noch auf die Trappfamilie hoffen, die bestimmt gleich um die Ecke trällert. Warum will alle Welt immer ungeschnittene Spaghettiwestern im Regal stehen haben? Mit gut 20 Minuten weniger wäre Djangos Nachtgebet ein Hosianna!

Abschließend stellt sich einmal mehr die Frage, wo denn nu der Django abgeblieben ist.


-- Dillinger 9:44, 4 November 2010

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