Ein Schuss Zuviel DVD Review

From The Spaghetti Western Database

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Rezension der Koch Media Veröffentlichung von Ein Schuss zuviel (aka Ringo - The Lone Rider), erscheint am 5. März 2010 als Teil der Italowestern Collection.

Der Film

Die Stadt Springfield wird von der Ganovenbande um Bill Anderson (Armando Calvo) tyrannisiert. Es werden Postkutschen abgefangen, Banken ausgeraubt. Um dem Ganzen ein Ende zu setzen, engagieren die Stadtoberen einen Detektiv der berühmten New Yorker Agentur Pinkerton. Infolge des Auftrages tauchen zwei Fremde in der Stadt auf, die sich gegenseitet unterstellen, von Pinkerton zu sein. Der Kopfgeldjäger Samuelson (Piero Lulli) trifft auf den Yankee-Offizier Blythe (Peter Martell). Beide haben ihre ganz besonderen Absichten, die Bill Anderson Bande zu stellen... Diese hat sich mittlerweile als Mormonen-Gruppe verkleidet auf einer Farm versteckt und wartet dort auf den finalen Showdown.

Kritik

Der Film versucht gar nicht richtig zu gefallen.Zum einen setzt Regisseur Raffael Romero Merchent auf sehr wenige Italo-Elemente, wenn beispielsweise kaum Blut zu sehen ist oder langweilige Kameraeinstellungen über die Prärie schleichen. Hinzu kommt eine, wie es auf der Hülle der DVD heißt, auf einer wahren Geschichte basierende Handlung, die zwar recht kurzweilig, jedoch entfernt von Spannung und Innovation ist. Leider verpasst es Marchent, gute Characktere aufzubauen und diese in verschiedenen Handlungssträngen agieren zu lassen. Letztere gibt es zwar (bspw. Pinkerton-Agent), jedoch ersticken diese im Trockenen des Rests. Hinzu kommt eine vollkommen deplazierte Liebesgeschichte, die von Kitsch kaum zu überbieten ist. Der ganze langweilige, kurzweilige und lahme Brei, der zwar einige Schießereien und Schlägereien bietet, aber ansonsten in den gut gemeinten Konversationen ersäuft, gipfelt schließlich in einem der langweiligsten Finals der Geschichte des Italowestern. Nicht nur, dass Blythes Absichten schon seit circa Mitte des Films klar sind, sondern auch hier wieder die Schwere und Entschleunigung der Handlung und damit der Spannung und Freude am Gucken. Mit dem Ende des Films enden dankender Weise auch die teilweise unterirdischen schauspielerischen Leistungen. Paolo Herzl (die Rolle des Kid, der die einzige Romanze im Film hat) war wohl während des gesamten Drehs nicht anwesend, so scheint es. Peter Martell gibt sich größte Mühe, jedoch ist er zu gelackt, zu sauber - untypisch italienisch. Entgegen diesem Eklat steht der wunderbare Piero Lulli, der einzige Italo-Charakter, der cool, abgebrüht, frech und absolut Italo ist. Er reißt den Film an vielen Stellen heraus, nur wegen ihm lohnt sich das Dranbleiben wirklich. Und wegen De Masis dezentem und dennoch guten Score. Ansonsten war der Film ideenlos, obwohl er einige Chancen hatte. Hätte er diese genutzt, wäre etwas besseres dabei herausgekommen.

Die DVD

Wenn der Film startet, staunt man nicht schlecht. Das Bild ist super: scharf, kontrastreich und äußerst farbenfroh. Zwar sieht man einige Schmutzpartikel, aber im Gegensatz zum auf der DVD enthaltenen englischen Trailer ist hier grandios gearbeitet worden. Anders verhält es sich beim (deutschen) Ton. Zwar ist dieser klar und deutlich, doch die Synchronisation erschlägt alles Weitere. Oft sieht man, wie die Charaktere Pistolen und Gewehre laden, doch man hört nichts. Es fehlt öfter an Geräuschen - leider. Die Sprache übertönt alles - hier finden sich viele bekannte Stimmen wieder, denn die Synchronisation ist neu. Desweiteren schenkt Koch den Fans eine italienische und eine englische Tonspur, dafür gibt es nur deutsche Untertitel. Als extras bereiten die Köche erneut einen Mix aus englischem Trailer, einer sehr kurzen Bildergalerie und einem 23-Minütigem Featurette namens "Erinnerungen des Mannes mit der Mundharmonika" mit Franco De Gemini. Die Erzählungen De Geminis bringen dem Italowestern-Fan sicherlich keine neuen Tatsachen ans Licht, sondern haben lustige Anekdoten über De Masi oder Castellari auf Lager. Kurzweilig, aber amüsant. Der Klappentext von Oliver Bitzer ist sehr lesenswert - er beinhaltet eine Kritik, die der meinen sehr nahe ist. Auch Bitzer missfällt der Film. Dazu gibt es wie gewohnt Hintergrundinfos - diesmal zu "Bloody Bill" Anderson.

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Urteil

Koch bringt eine Rarität raus, doch Raritäten sind nicht zwangsläufig gut. Ein Schuss zuviel beweist das auf fast ganzer Linie - ohne Piero Lulli wäre der Film keinen Release wert... Zusammengefasst handelt es sich bei Ein Schuss zuviel, der rein gar nichts mit Ringo (engl. Titel) zu tun hat, um einen kurzweiligen, lahmen Western in US-Machart, der strikt erzählt wird und so öde endet, wie er angefangen hat.

--Lode 08:46, 3 March 2010 (UTC)

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Diese DVD wurde uns von Koch Media zur Verfügung gestellt

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