Spaghetti Western Podcast

Garringo BluRay Rezension

From The Spaghetti Western Database

In den Wirren des Spagvember traut man sich entweder an manchen obskuren Italowestern, oder man arbeitet Titel ab die man schon lange mal (wieder) sehen sollte bzw. wollte. Bei mir sind das oft BluRays die seit Ewigkeiten im Regal liegen ohne dass ich sie gesehen habe. Garringo gehört zu dieser Sorte. Mit dieser Besprechung möchte ich endlich ein paar Worte zum Film sowie zur BluRay von Explosive Media loswerden.

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Der junge Johnny muss zusehen wie Militärs seinen Vater erschießen. Als Waiser wächst er bei Klaus (Jose Bodalo) und dessen Tochter Julie auf. Als Erwachsener (Peter Lee Lawrence) beginnt er eine blutige Vendetta gegen Armee-Offiziere, auf der Suche nach dem einen Trupp der, aus Gründen die er als Kind nicht wissen konnte, seinen Vater auf dem Gewissen hat. Die Armee ist besorgt wegen die Mordserie auf Offiziere. Leutnant Garringo (Anthony Steffen) wird beauftragt, den Täter, von dem man nicht mehr weiß als den Namen Johnny, lebendig zu ihm zu bringen. Johnnys Ziehvater Klaus ist mittlerweile Sheriff und dessen Tochter (Solvi Stubing) eine erwachsene Frau. Eines Tages kommt der verletzte Garringo auf Klaus' Ranch an, der auf der Suche nach Johnny, aber ohne zu wissen wie der aussieht, mit dessen Gang eine unangenehme Zusammenkunft hatte. Seine ploetzliche Ankunft in der Stadt läuft unweigerlich auf eine Konfrontation hinaus, bei der Klaus seine Beziehung zu dem Killer Johnny ebenso in Frage stellen muss wie Julie ihre Bewunderung für den geheimnisvollen Fremden.... und dann stellt sich heraus Garringo ist nicht der einzige der hinter Johnny her ist....

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Im weiteren Verlauf zeigt sich das ruchlose und hinterlistige Vorgehen von Johnny, ein Side-Plot der unlautere Methoden beim Erwerb eines Grundstücks umfasst wird dabei zur Illustration benutzt und das Drehbuch bringt noch ein paar Nebencharaktere ins Spiel um den Protagonisten den Pfad zum Höhepunkt zu verkomplizieren. Man erkennt an einigen Sprachwechseln auf der BluRay schnell, welche Dialog- oder Handlungsszenen damals aus Gründen augenscheinlicher Unwichtigkeit geschnitten geworden zu sein. Insgesamt ist der Film aber in der ungekürzten Form mit 90 Minuten sehr straff und wenig ausschweifend. Es geht immer schnell zur Sache, jede Dialogszene hat eine wichtige Funktion und es gibt wenige Füller-Szenen (aber es gibt sie).

Rafael Romero Marchent, dessen Bruder Joaquin Luis sich hier für das Drehbuch und die Story hauptverantwortlich zeigte, liefert einen relativ geradlinigen Rachethriller ab, der eine ordentliche Dosis Moral und Charakterentwicklung enthält und mit seinem insgesamten Minimalismus den Schauspielern in ihren wenigen Momenten in denen sie vollen Einsatz bringen müssen, sehr gut glänzen können. Steffen wirkt zwar etwas hölzern und stolziert in der Unwichtigkeit die seine Rolle mit sich bringt etwas herum, darf ein paarmal gut ballern und Solvi anlächeln. Der Star ist Lawrence aka Hierenbach, der hier mit eiserner Miene in einer Szene, oder mit Jauchzen in der anderen, alles an die Wand spielt. Die besorgte Mine von Bodalo, man kennt ihn als General Mongo in Companeros, ist eine sehr untypische Interpretation des üblichen Sheriffs. Was kennt man nicht die unzähligen Filme in denen so eine Rolle entweder als korrupt, feig oder nebensächlich portraitiert werden. Hier ist er eine Stimme der Vernunft und muss auch nicht draufgehen.

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Insgesamt kann ich Garringo nicht so arg viel abgewinnen. Das liegt aber vor allem an handwerklichen Aspekten, wenige an der Story, dem Drehbuch oder den Schauspielern. Zum einen bietet der Film keinerlei kunstvolle Kameraarbeit, die Schnitte sind stümperhaft und die Musik eher belanglos. Das gibt dem Film zu Unrecht einen billigen "look and feel", und das fängt schon mit den seltsamen Rückblenden am Anfang an. Dafür dass der Film noch in den späten 60ern auf den Markt kam, sieht und hört er sich leider schon etwas nach spät-70er an. Das hätte nicht sein müssen. Der andere handwerkliche Aspekt ist dem Regisseur nicht anzulasten: die Synchronfassungen die ich durchgetestet habe (s. unten) sind alle drei einfach eher mau und die Abmischung schlecht. Dem Film hätte vielleicht etwas Witz gut getan - zur Abwechslung, ich mach das eigentlich nicht. Der Film ist bierernst und grimmig, die paar Witze, zum Beispiel über die Nutzung von Parfum im alten Westen, reissen das nicht heraus.

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Die BluRay von Explosive Media bietet ziemlich ordentliches Bild. Dieses punktet in Sachen Farben, Kontrast und Detail (erfreulich wenig DNR), leidet aber unter etwas zu viel Kantenglättung. Insgesamt kann sich das Bild aber total sehen lassen für einen drittklassigen Italowestern der sicher keine teure 4K Abtastung hinter sich hat. An einigen Stellen scheint es etwas matt und manchmal etwas unscharf aber unterm Strich sieht der Film sehr gut aus. In Sachen Ton wird es interessant. Die Englische Tonspur ist qualitativ etwas mau abgemischt (weniger die Dialoge denn die Effekte und so), klingt aber generell halbwegs OK. Die Deutsche Tonspur klingt auch etwas seltsam, der Ton ist zwar eigentlich schön realistisch klingend, und hat gute Tiefen wodurch die brummigen Stimmen mancher Männer schön zur Gelgung kommen, aber der Ton klingt teils wie mit dem Mikro vor dem Fernseher aufgenommen, sehr unmittelbar, das ist ein sehr komisches Klangerlebnis. Außerdem gibt es noch die Italienische Spur, die am besten klingt obwohl sie am meisten rauscht und obwohl die Synchro am wenigsten professionell klingt. Insgesamt also ein sehr durchwachsenes Bild, keine der drei Spuren ist irgendwie besonders großartig, ich habe mich dabei ertappt ständig hin und her zu wechseln und war doch nie gänzlich zufrieden. Es gibt optionale deutsche Untertitel die man dabei aber einfach durchlaufen lassen kann. In Sachen Extras gibt es den Trailer, eine Bildergalerie, den Abspann der spanischen Version sowie die deutsche Kinofassung (vermutlich per Seamless Branching). Die Edition war limitiert und kommt im durchnummerierten Pappschuber. Eine DVD Version liegt ebenso bei wie ein informatives Booklet mit einem Text von meinen geschätzen Kollegen Lars Johansen und Daevid Binzel das auch schon der Vorgänger-DVD beilag.

Fazit: Eine sehr solide, aber nicht überragende BluRay die leider vor allem beim Ton einige Schwächen zeigt, aber den Film in ungekürtzer Fassung bringt und gutes Bild aufweist. Gehört in jede Sammlung, auch wenn ich persönlich wenig vom Film überzeugt bin. Es mangelt ihm an Stil und Gespür, das können die großartigen Darbietungen nicht ausgleichen.


Die BluRay wurde uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Text von Sebastian

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