Heute ich… morgen du! Review (by Siringo)

From The Spaghetti Western Database

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Filminfo

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Darsteller

  • Brett Halsey (Bill Kiowa)
  • Bud Spencer (O’Bannion)
  • Tatsuya Nakadai (James Elfego)
  • William Berger (Francis Colt Moran)
  • Wayde Preston (Jeff Milton)
  • Franco Borelli (Bunny Fox)
  • Diana Madigan alias Dana Ghia (Maria Kiowa)

Bill Kiowa (Brett Halsey alias Montgomery Ford) war fünf Jahre im Gefängnis. Unschuldig verurteilt für einen Überfall, den in Wahrheit der Schurke Elfego (Tatsuya Nakadai) begangen und ihm in die Schuhe geschoben hat. Elfego hat auch Bills Frau (Diana Madigan alias Dana Ghia) vergewaltigt und getötet.

Rache war Bills einziger Gedanke während der Zeit der Inhaftierung. Täglich hat er in seiner Zelle mit einer hölzernen Revolverattrappe, an der er ein Jahr lang schnitzte, geübt. Aber auch Elfego hat Bill nicht vergessen, und so schickt er ihm nach seiner Entlassung gleich zwei Killer die ihn töten sollen. Sie werden die Begegnung mit Bill nicht überleben, denn dieser ist ein schneller und präziser Schütze.

Bill weiß um die Gefährlichkeit Elfegos, der sich nun mit seinen Comancheros, einer Bande von Deserteuren und indianisch-stämmigen Halunken, auf Postkutschenüberfälle spezialisiert hat. Um gegen Elfego und seine Bande eine Chance zu haben braucht Bill Männer an seiner Seite "die eiskalt töten können". Er sucht und findet sie im bulligen O’Bannion (Bud Spencer), dem Sheriff Jeff Milton (Wayde Preston), dem jugendlichen Revolverhelden Bunny Fox (Franco Borelli alias Stanley Gordon), sowie dem Glückspieler Francis Colt Moran (William Berger). Ihnen bietet er jeweils 5.000 Dollar sofort und nochmals soviel nach Erledigung von Elfegos Bande. Das nötige Geld stammt aus der Erbschaft seines Vaters, der ein vermögender Mann war, und von einem Vertrauten Bills während seines Gefängnisaufenthalts verwahrt wurde.

Bald ist man El Fego und seinen Comancheros auf der Spur. Doch Elfego ist gerissen und überrumpelt Bill und O’Bannion. Beide werden gefoltert und erst im letzten Moment von den drei anderen Kameraden befreit.

Außer sich vor Wut verfolgt Elfego nun Bill und seine Männer, ohne zu merken dass diese ihn absichtlich ihre Spuren finden lassen um ihn in den Abendstunden in ein Waldstück zu locken. Dort wollen sie dem Kampf mit Elfegos zahlenmäßig überlegener Bande aufnehmen. Bill hat Wissen um indianische Kampfmethoden – seine Frau war eine Indianerin aus dem Stamm der Kiowa, daher übrigens auch sein Name - und erhofft sich dadurch im nächtlichen Wald Vorteile gegen Elfegos Bande.

Von Elfegos Comancheros überlebt nur eine Handvoll die nächtliche Auseinandersetzung. Im Morgengrauen überwältigt Elfego in einem dramatischen Kampf O’Bannion und stellt sich dann Bill zum finalen Duell.

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El Fego liebt klare Anweisungen: „Nicht ein einziger von den Aasgeiern darf am Leben bleiben. Verstanden? Niemand!“

Anmerkungen & Kritik

Heute ich... morgen du! ist ein harter Rache-Italo-Western von Tonino Cervi. Dieser 1968 gedrehte Film ist leider auch Cervi´s einziger Genre-Beitrag. Am Drehbuch mitgearbeitet hat Dario Argento, vor allem durch seine gewalttätigen Psycho- und Horrorfilme bekannt. Er war aber als Drehbuchautor auch an Spiel mir das Lied vom Tod und Die fünf Gefürchteten beteiligt!

Der Film wurde offenbar mit geringem Budget, aber doch sehr ansehnlich in Szene gesetzt. Er spielt in einer spätherbstlichen Landschaft, wie überhaupt im Film dumpfe braune Töne überwiegen. Dies verleiht ihm eine sehr stimmungsvoll morbide Atmosphäre.

Alternative Filmtitel im deutschsprachigen Raum sind Stoßgebet für einen Hammer und Der Dicke ist nicht zu bremsen. Letzterer wohl, um von der Popularität von Bud Spencer zu profitieren. So ziert, abweichend vom Originalfilmplakat, das Cover deutschsprachiger DVD auch unübersehbar ein grimmig dreinblickender Bud Spencer. Und dennoch ist er nicht Hauptdarsteller des Films. Er hat aber eine recht schöne Rolle, abseits seines üblichen Klischees vom starken Haudrauf. Natürlich ist er wieder ein sehr kräftiger Charakter, das ist schon von seiner Statur fast unvermeidlich, aber er bleibt - entgegen dem alternativen Filmtitel Der Dicke ist nicht zu bremsen - ein Mensch, der auch verletzt und übel zugerichtet wird. Der blutet und sogar einen Zweikampf verliert, was wohl in keinem anderen seiner Filme je vorkommt.

Die Herkunft des Schurken Elfego ist nicht leicht einzuordnen – Japaner oder Mexikaner? Er ist nicht nur ein ausgezeichneter Schütze, sondern kämpft auch gerne mit einer Machete, die er fast wie ein Samuraischwert handhabt. Der ihn verkörpernde Tatsuya Nakadai ist Japaner, was für einen im Westen gestrandeten Asiaten spricht. Auch ein Track der Filmmusik "Come un Samurai" deutet in diese Richtung. Allerdings könnte Nakadai hier durchaus auch als Mexikaner durchgehen. Elfego ließe sich als El Fuego interpretieren, was im spanischen soviel wie "das Feuer" bedeutet, ein Hinweis auf Elfegos feuriges zerstörerisches Temperament. Wie auch immer, James Elfego ist ein interessanter Schurke: intelligent, sich aber eines derben Wortschatzes bedienend, blasiert, bösartig und menschenverachtend – auf den Punkt gebracht, ein richtiges Schwein.

Tatsuya Nakadai spielte übrigens Rollen in Akira Kurosawas Die sieben Samurai, Yojimbo, Sanjuro sowie die Hauptrollen in Kagemusha und Ran. Er ist in Japan ein sehr bekannter Schauspieler der insgesamt in über 120 Filmen mitspielte.

Bill Kiowa und Elfego dürften sich schon aus früheren Zeiten kennen. Welcher Art diese Beziehung war, darauf wird leider nicht eingegangen. In einer Rückblende im Film sieht man wie Elfego Bill in seinem Heim aufsucht. Bill weiß jedenfalls dass Elfego zu Geld gekommen ist, jedoch steckbrieflich gesucht wird, und rät ihm das Land zu verlassen. Sind sie gemeinsam aufgewachsen oder war Bill früher sogar selbst ein Bandit der der Gewalt abschwor und sich mit seiner indianischen Frau zur Ruhe setzte? Es wäre zur Charaktervertiefung nicht uninteressant gewesen dies zu wissen. Aber mit allzu viel Charaktertiefe oder Hintergründen hält sich der Film nicht auf. Es gibt auch kaum Interaktion innerhalb der Gruppe. Aber das stört hier ausnahmsweise gar nicht. Es ist ein recht geradliniger Rache-Italo-Western der sich ganz grob in drei Kapitel unterteilen lässt. Im ersten rekrutiert Bill – entfernt an Die glorreichen Sieben erinnernd – seine Begleiter die dabei auch ein wenig vorgestellt werden, sie charakterisieren sich aber eher durch ihr Verhalten als durch Hintergrundinformation. Warum genau sich Bill an Elfego rächen will bleibt hingegen noch im ungewissen. Im zweiten Kapitel lernen wir Elfego und seine Comancheros kennen. Es werden nun auch die Beweggründe für Bills Rache gelüftet. Und im Dritten Kapitel folgt dann die Konfrontation und Abrechnung.

Der (vor allem) nächtliche Kampf mit den Comancheros zieht sich zwar ein klein wenig, mündet aber in einen spannend und sehenswert choreografierten Zweikampf zwischen O’Bannion und Elfego und endet schließlich mit dem Duell zwischen Kiowa und Elfego.

Auf der SWDb gibt es übrigens ein interessantes englischsprachiges Brett Halsey Interview von Phil H.

Musik

Die Filmmusik von Angelo Francesco Lavagnino wirkt manchmal fast ein wenig disharmonisch und schwermütig, passt jedoch gut zu Stil und Stimmung des Films. Sie hält sich auch mehr im Hintergrund und begleitet die Handlung des Films anstatt, wie z.B. Morricones Musik, dominierendes und Stimmung aufbauendes Element zu sein. Der Score zum Film bietet daher auch kein prägendes Hauptmotiv und verliert vom Film losgelöst ein wenig von seiner Wirkung.

Hörprobe: Oggi A Me...domani A Te! | Attacco Alla Diligenza | La Furia Di Elfego

DVD

Deutschsprachig gibt es unterschiedliche Ausgaben entweder unter Heute ich… morgen du! (Stoßgebet für einen Hammer) oder Der Dicke ist nicht zu bremsen. Beide suggerieren vom Titelbild einen reinen Bud Spencer Film. Die ältere Filmfassung ist FSK 18, die neuere FSK 16. Inhaltlich ist kein Unterschied, es wurde der Film im Jahr 2006 lediglich einer neuen FSK Bewertung unterzogen.

Zumindest die mir vorliegende ältere Ausgabe von e-m-s weist vor allem am Anfang eine recht schlechte Bildqualität auf. Für den restlichen Film ist sie zwar nicht mehr schlecht, aber dennoch nicht mehr als gehobenes VHS Niveau.

Resümee

Geradliniger Rache-Western von Tonino Cervi, der sich nicht allzu viel mit Charaktertiefe und Hintergründen aufhält. Was hier aber gar nicht stört. Er ist sehr ansehnlich in Szene gesetzt. Die spätherbstliche Landschaft und die begleitende Filmmusik Lavagnino´s verleihen eine sehr stimmungsvolle morbide Atmosphäre. Ein mit geringem Budget produzierter sehenswerter Italo-Western.

Film Review by Siringo, 11. April 2010


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