Jetzt sprechen die Pistolen DVD Review

From The Spaghetti Western Database

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Rezension der Wild Coyote DVD Veröffentlichung von Jetzt sprechen die Pistolen.


Der Film

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Zwischen den beiden Texaner Familien Lopez und McDougall tobt eine blutige Fehde. Als der alte McDougal von der Lopez-Sippe ermordet wird, desertiert sein Sohn Steven aus der Armee und macht sich auf den Weg nach Hause, um Rache zu üben. Nachdem sich Steven als der überlegene Revolverschütze erwiesen und die Lopez-Bande stark dezimiert hat, beauftragt der alte Lopez den Berufskiller Gringo. Dieser entführt Stevens Schwester Judy und bringt sie zur Lopez-Farm. Aber es entbrennt ein heftiger Streit zwischen Lopez und Gringo, in dessen Folge der Farmer erschossen wird. Gringo und seine Männer machen sich mit Judy und einer reichen Diebesbeute auf die Flucht. Steven, der zur Lopez-Ranch geritten ist, erfährt was geschehen ist und macht sich auf die Verfolgung. Schließlich kann er die Bande stellen… (Wild Coyote)

Kurzkritik:
Mit einem geradlinigen Drehbuch über Rache, Rache und nochmals Rache klingt dieser frühe Genre-Beitrag wie eine routinierte Angelegenheit ohne besondere Innovation. Doch es ist der erste Spaghetti-Western des ungeschriebenen Helden des Genres par excellence Anthony Steffen aka Antonio di Teffé, bekannt für seine spektakulären Roll-overs, sein hölzernes Schauspiel und seine kleinen Hüte. Gleichzeitig bedeutet der Film die erste Zusammenarbeit des Duos Edoardo Mulargia und Vincenzo Musolino, sowie den ersten Italo-Western-Auftritt von Schauspieler Aldo Berti, der hier bereits seine seltsame Gewohnheit zeigt, Frauen auf grausame Art und Weise zu verprügeln. Anthony Steffen spielt einen jungen Mann, Steve MacDougal, der zum Deserteur werden muss, um den Tod seines Vaters zu rächen. Der alte MacDougal wurde in Steves Abwesenheit von seinem Nachbarn und Erzfeind Lopez getötet. Der Mord stellte schon einen Akt der Vergeltung dar: Steves Vater hatte vor Jahren Lopez - jetzt Rollstuhlfahrer - verkrüppelt. Das Thema der nie endenden Rache steht im Mittelpunkt der Erzählung, mit Steves Schwester Judy, die ihren rachsüchtigen Bruder fragt, warum er mit dem Töten weitermacht (Perché uccidi ancora?), wohl wissend, dass ein blutiger Racheakt unweigerlich zum nächsten führen wird ...

Jetzt sprechen die Pistolen (die Übersetzung des deutschen Titels ist mal wieder nicht originalgetreu) wurde beinahe vollkommen auf spanischem Boden gedreht und daher José Antonio de La Loma gutgeschrieben, einem Tausendsassa der Balcazar Studios, einigen an der Produktion beteiligten Personen zur Folge saß allerdings Mulargia am Ruder. Anders als bei den meisten frühen spanisch-italienischen Koproduktionen, ist der Film in Stil und Inhalt typisch italienisch, was wohl bedeutet, dass ein Italiener auf dem Regiestuhl gesessen hat. Die meisten Quellen erwähnen beide Namen aber es ist wahrscheinlich, dass De Lomas Name nur aus kommerziellen Gründen verwendet wurde. Mulargia und Musolino stammten beide aus dem tiefsten Süden (Sizilien und Reggio Calabria), Regionen, in denen Loyalität in erster Linie gegenüber Familie und Clan bestand hat. Der Konflikt zwischen der MacDougal und der Lopez Familie ist eine jener lang andauernden Fehden, die mehrere Generationen in einen Strudel von Rache und Gewalt ziehen können. Aus diesem Grund wurde die Geschichte in ein für Spaghetti-Western übliches Milieu übertragen, die amerikanisch-mexikanische Grenze, wo sich zwei Familien mit verschiedenen Hintergründen gegenüberstehen, eine mexikanisch, eine nordamerikanisch. Hinweise auf rassistische Voreingenommenheit gibt es jedoch nicht; die beiden Familien sind eben Erzfeinde, wobei die Feindschaft irgendwann in ferner Vergangenheit begonnen hat, aus einem Grund, an den sich die meisten Beteiligten wahrscheinlich nicht einmal mehr erinnern können.

Das Drehbuch (nach einer Originalgeschichte von Musolino) ist lebhaft, inklusive ein paar Drehungen und Wendungen, doch der Plot fühlt sich trotzdem ein bisschen dünn an. Um dem Streifen eine passable Länge (die meisten Versionen haben dennoch eine Laufzeit von nicht mehr als 75 bis 83 Minuten) zu bescheren, gibt es eine Menge Fidani-aeskes Umherreiten zu ertragen aber auch viel Action und sogar einiges an Stil zu bestaunen. Die besten Szenen sind eindeutig von Eine Handvoll Dollar beeinflusst, wo einige von Sergio Leones unverwechselbaren Nahaufnahmen schön kopiert worden sind. Ein Totengräber (gespielt von Franco Pesce), der die Ereignisse in einem halb komödiantischen Stil kommentiert, darf dabei auch nicht fehlen. Die Stadt- und Innenaufnahmen, in den Studios Balcazar gedreht, sehen ziemlich gut aus, die Szenen im Freien (vor allem im Bereich um Fraga aufgenommen) dagegen haben einen schwächeren, sehr gewöhnlichen Look; die Verfolgungsszenen zu Pferde sind auch beschleunigt worden, so dass sie ein wenig lächerlich wirken.

Why go on killing? gehört zu den brutalsten, gewalttätigsten Spaghetti-Western überhaupt, die meisten verfügbaren Versionen sind allerdings leider geschnitten. Die Eröffnungsszene, als Lopez seinen Männern befiehlt seinen Erzfeind McDougal in Stücke zu schießen, ist sehr intensiv und muss zeitgenössische Zuschauer (sowie die Zensur) schockiert haben. Die Szene, in welcher der „wahnsinnige“ Berti die liebreizende Ida Galli (als Evelyn Stewart) zusammenschlägt, wird von Marco Giusti una grande scene di pestaggio (eine großartige Prügelszene) genannt, aber man bekommt nur einen kurzen Blick auf die blutigen Ergebnisse gewährt. Die Szene ist trotzdem schockierend und kündigt Bertis berüchtigten Kopfstoß in Mulargias El Puro an.

In seinem ersten Italo-Western trägt Anthony Steffen einen kleinen Hut, gibt seine Roll-overs zum Besten und macht ansonsten nichts Ungewöhnliches, seine äußere Erscheinung aber passt exzellent in diese pessimistische, traurige Geschichte. Das Ergebnis ist eine seiner besseren Spaghetti-Western Vorstellungen und der Film einer seiner besseren Genrebeiträge: Nicht fehlerlos, nichts Außergewöhnliches, aber schmutzig, böse und insgesamt recht unterhaltsam. Calvo mimt den verbitterten Mann im Rollstuhl erstklassig, die Partitur von Felice di Stefano (wenn auch etwas eintönig) passt wunderbar zur Handlung und prägt sich zu einem Ohrwurm aus, der sogar die endlosen Reiterszenen (mit geschlossenen Augen) erträglich macht.

Die DVD

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Die Qualität des Bildes (Format 2,35:1; 16:9 anamorph) befindet sich eigentlich auf gutem Niveau. Es ist vollkommen frei von Schäden und Verschmutzungen, die Farben sind auch ganz ok und kontrastreich aber eine mal mehr, mal weniger starke Körnung trübt den Gesamteindruck. Der Ton bietet eine deutsche, eine englische sowie eine italienische Spur (alle in DD 2.0), die allesamt gut klingen. Leider sind keine Untertitel anwählbar. Bild und Ton sind also nicht absolut top, jedoch immer noch viel besser als auf dem alten Loyal Video Tape. Außerdem handelt es sich um die ungekürzte Fassung des Films, denn die DVD läuft ca. 3 Minuten länger als die VHS-Kassette. Als Extras sind der Original Kinotrailer zum Film, eine Diashow und ein Wendecover enthalten.

Urteil

Wild Coyote Films gelingt mit Jetzt sprechen die Pistolen eine ordentliche Veröffentlichung eines wohl eher unbekannten Italo-Western. Die technische Qualität der DVD ist ok und beim Film muss man sich sowieso ein eigenes Bild machen. Ich bevorzuge im Falle Mulargia dann doch dessen wirklich gute Rachewestern wie La Taglia è tua... l'uomo l'ammazzo io aka El Puro von 1969 oder Cjamango aka Django - Kreuze im blutigen Sand von 1967. Sammler und Komplettisten können bedenkenlos zuschlagen!


--Bluntwolf, 25th October 2016 (CEST)


Diese DVD wurde uns freundlicherweise von Wild Coyote zur Verfügung gestellt.


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