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Leise Weht der Wind des Todes BluRay Rezension

From The Spaghetti Western Database

Besprechung der neuen BluRay-Veröffentlichung des Eurowesterns Leise Weht der Wind des Todes, erschienen bei Explosive Media, im Vertrieb von Koch Films.

Leise weht der Wind des Todes BluRay

Lange hatte ich mich auf den Film gefreut, da ich ein Fan der grimmigen Sorte Western bin, und diesen hier noch nie gesehen hatte. Als letztes Jahr bei Kino Lorber in den USA eine BluRay erschien, konnte in Europa eine nicht mehr weit sein. Bruckners Feinschmecker-Label schließlich kündigte den Film im Zuge der Sommer-Releases an und so war ich voller Vorfreude. Zwar enthält wie angekündigt die Scheibe nicht all die Extras aus den USA, aber dennoch, gleich nach der Arbeit rein in den Player und ab dafür.

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Leise weht der Wind des Todes BluRay

Story

Der Film handelt von dem Rinderdieb oder Ganoven - so recht weiß man es nicht - Frank Calder (Oliver Reed), der mit seiner Bande eine junge Frau vor der Kirche weg entführt. Frank sagt ihr, er habe sie entführt um ihm Lesen und Schreiben beizubringen. Doch ihr Name ist Melissa Ruger (Candice Bergen), und ihr Mann ist der reiche Banker Brandt Ruger (Gene Hackman), der mit seinen reichen Kumpels und neuen teuren Scharfschützengewehren gerade auf eine Jagdsafari aufgebrochen ist. Als er von der Entführung hört, bricht er mit seinen Hobbyschützen auf um der Gang von Calder hinterher zu jagen. Der wiederum tut sich schwer, seine Jungs, allen voran Hog (LQ Jones) von der hübschen Melissa fern zu halten. Als aus sicherer Distanz Kugeln in seinen Leuten einschlagen, hat die sich schon ein wenig in ihn verliebt, er schon ein wenig Lesen gelernt, und die Hetzjagd ist in vollem Gange. Beide Gruppen verlieren Mannen, doch Brandt kommt der Bande näher. Erbarmungslos stellt er ihnen nach.... doch seine Frau hat er eigentlich längst verloren.

Filmkritik

Es ist ein derber Film. Dass er schon damit öffnet, dass der vermeintliche Hauptcharakter eigentlich sadistisch und sexuell frustriert ist, und aber die Art von Mann, die es im wilden Westen auch noch nötig hat, zur Jagd zu reiten, das ist schon mutig. Mit Entführung und versuchter Vergewaltigung geht es dann weiter. Der Film ist nicht zimperlich, und die Erwartungen stellt er auch auf den Kopf: Zwischen einer Orgie und etwas gewagter Nacktheit wird klar, der reiche Ruger und der komplexe Frank, das ist nicht das übliche Neben-zu-Hauptrollen-Verhältnis. Überhaupt mag es überraschen, wie sehr unsympathisch, und an die Seite gedrängt, Hackmann hier zu agieren hat. Ruger ist nicht nur sadistisch, sondern auch feige. Er will gegen die Bande mit Scharfschützengewehren antreten mit seiner Gang aus Freizeitjägern. Er ist gar nicht Mann genug für einen echten Kampf Angesicht zu Angesicht. Seine Frau zählt zwar zunächst irgendwie auf die Befreiung durch ihren Mann, aber dass es keine glückliche Beziehung ist, sitzt ihr im Nacken, und in den ersten Filmminuten wird das auch schon angedeutet, dass es etwas damit zu tun hat wieviel Mann er ist.

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The Hunting Party ist ein brillant besetzter, oftmals unterschätzter, und viel zu unbekannter Western des vielbeschäftigten TV-Regisseurs Don Medford aus dem Jahr 1971. Eine britisch-amerikanisch-spanische Co-Produktion gedreht in der Wüste von Almería von einem Regisseur der kaum Spielfilme gemacht hat, aber in der Tat ansonsten im gleichen Jahr noch mit The Organization aufgefallen war. Oliver Reed mit seinen Knopfaugen bekommt hier eine ganze Riege bekannter Nebendarsteller um sich herum, auch Gene Hackmann in seiner Posse. Der großartige LQ Jones vor allem verleiht der Bande Charakter - und sein Charakter ist die ständige Bedrohung die Marissa ausgesetzt ist. Daneben glänzen unter anderem noch Simon Oakland, er spielt Matthew Gunn, den leicht von Gewissensbissen geplagten Sidekick von Ruger, aber wirklich nur leicht, und der eher gute Doc Harrison, gespielt von Mitch Ryan.

All die semi-bekannten Gesichter verleihen dem Katz-und-Maus Spiel eine ehrliche Tiefe, die trotz der Hintergründe und Motivationen sämtlicher Charakter eine gewisse emotionale Bindung herstellt, mit der die wie Kanonen klingenden Gewehr-Schüsse noch härter ins Mark treffen. Ob Ruger (auch der Name eines Waffenherstellers) nun durch seine feige Distanz in gewisser Weise die Bombardierung vietnamesischer Dörfer aus tausenden Metern Höhe durch teure Bomberflotten repräsentieren soll, immerhin ist es 1971, ich weiß nicht. Es wäre aber nicht völlig von der Hand zu weisen. Medford konzentriert sich im Wesentlichen auf drei miteinander verwobene Aspekte, von denen keiner dem Zuschauer völlig klar wird:

Erstens, wir erfahren nie wer Frank wirklich ist und was er vor hat, vor allem nicht warum er lesen und schreiben lernen will. Doch seine sich entwickelnde Beziehung zu Marissa baut auf einer Art gegenseitigem Verständnis und geteilten Schicksal auf. Er hat sie zwar entführt, aber vielleicht auch eher gerettet, außerdem schützt er sie vor der ständig drohenden Gefahr der Massenvergewaltigung, auch wenn er nicht ganz ohne Gegenwehr selbst zum Zuge kommt. Als der Tod näher rückt, träumt sie gar von einem gemeinsamen Lebensabend mit ihm in Kalifornien.

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Zweitens, der Zuschauer baut zu keiner Sekunde Sympathie zu Ruger auf. Der Mann ist ein elender Mistkerl, Sadist, Feigling und Soziopath. Er schlägt seine Frau, fühlt keine Liebe, misshandelt Prostituierte, und stellt einen prototypischen Trump Junior dar, einen reichen Arsch der viel Geld in Jagdausrüstung steckt aber keinen echten Respekt oder Mumm hat um in der Wildnis zu überleben. Nicht einmal im ganzen Film tut Ruger etwas mutiges, auch als er seiner Rache nah ist, zieht er sichere Schüsse aus der Distanz der Konfrontation aus der Nähe vor. Widerlich.

Drittens, es sind zwei sehr seltsame Schicksalsgemeinschaften die sich in The Hunting Party gegenüber stehen: eine Diebesbande unter Führung von Frank, in der sich Rowdies mit eher charmanten alten Haudegen mischen, eine nicht ganz freiwillige Zweckgemeinschaft mit einem Ziel das wir nie erfahren. Auf der anderen Seite eine Gruppe von Freizeitjägern, Möchtegern-Gunslinger die sich Übergeben als sie echte Leichen zu sehen bekommen.

Untermalt wird das Drama von der großartigen, aber eher subtil eingesetzten, Musik von Riz Ortolani (Day of Anger). Die staubigen südspanischen Locations werden von wirkungsvollen Bildern eingefangen und teilweise gut geframten Landschaftsaufnahmen, und das Sounddesign oszilliert zwischen Stille und erschütternden Gewehrschüssen. Es ist ein harter Western. Nicht in dem Umfang sozio-politisch mit dem Zaunpfahl schwenkend wie Soldier Blue (auch mit Candice Bergen) und auch nicht eine Rape-Revenge Story wie Hannie Caulder, vielleicht gar nicht so weit weg von Figures in a Landscape, mit Robert Shaw, aber hart, unbarmherzig und spannend, ohne dabei an Tiefe zu verlieren. Hochgradig empfehlenswert.

Leise weht der Wind des Todes BluRay

Die BluRay

Vorneweg, die Bildqualität haut mich nicht um. Kantenglättung und DNR scheinen hier dem nicht so super detailreich restaurierten Ausgangsmaterial den Rest zu geben. Das Bild wirkt matschig, der Sprung von hoch skalierter DVD zu diesem Release entsprechend moderat, auch die DVD hatte schon ein leichtes Matschproblem. Das Ausgangsmaterial mag das gleiche sein, oder die Kompression ist hier einfach zu heavy. Das hat mich enttäuscht und ist auch wirklich schade. Leider habe ich keinen Vergleich zur Kino Scheibe, aber wenn die im Netz auffindbaren Screenshots ein Indikator sind, dann ist das Bild wahrscheinlich fast das gleiche. Ansonsten sieht das ganze passabel aus, präsentiert in kontrastreichem Bild (circa 1.78:1) und viel Dreck und Kratzern für das richtige Retro-Feeling.

Der Ton klingt eigentlich recht solide (Englisch getestet), mit einigen Tiefen aber wenig raumfüllender Dynamik und nicht bis in den letzten Moment bester Dialogverständlichkeit. Da der Film ohne viel Schießereien auskommt, und meist eher ruhig bis still ist, fällt das nicht weiter ins Gewicht. Die Spur ist ansonsten einigermaßen frei von Rauschen (nicht vollständig) und geht eigentlich völlig in Ordnung.

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Leider hat man nicht die Extras der Kino Lorber Scheibe lizensiert, der u.a. ein cleverer Audiokommentar von Howard S. Berger beiliegt, den ich durchaus gerne gehört hätte, auch ein Booklet gibt es hier nicht. Insofern quasi ein bare-bones Release mit ein paar Location-Vergleichen, dem Trailer und einer Bildergalerie. Der hervorragende Film macht das wett, aber Fans werden im Netz nach Hintergründen suchen zu diesem faszinierenden Film.

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Die BluRay wurde uns freundlicherweise von Koch Media zur Verfügung gestellt. Die Screenshots sind von der US BluRay, gefunden teilweise bei HighDefDigest und teilweise bei Blu-Ray.com.

--Seb

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