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Mein Name ist Nobody Review (by Siringo)

From The Spaghetti Western Database

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Technische Daten & Cast

Filminfo

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Darsteller

  • Henry Fonda (Jack Beauregard)
  • Terence Hill (Nobody)
  • Jean Martin (Sullivan)
  • Geoffrey Lewis (Anführer der Wilden Horde)
  • Piero Lulli (Sherrif)
  • Mario Brega (Pedro)

Film

Neu Mexiko 1899. Drei gedungene Mörder überfallen einen Barbier und bemächtigen sich seines Barbierladens. Sie warten dort auf einen Mann, den sie töten wollen. Wenig später sind die drei Männer jedoch tot, erschossen von Jack Beauregard (Henry Fonda), jenem Mann dem sie auflauern wollten.

Jack Beauregard ist ein alternder Revolverheld dessen Zeit langsam abläuft. Er weiß das auch und möchte Amerika verlassen, zurück nach Frankreich, seiner Heimat um dort seinen Lebensabend zu verbringen. Eine Passage auf einem Schiff ist schon gebucht, wenngleich die Bezahlung noch offen ist. Denn eine Kleinigkeit hat er vor seiner Abreise noch zu erledigen.

An einem Fluss in Neu Mexiko ist ein junger Mann (Terence Hill) gerade dabei einen Fisch mit bloßen Händen zu fangen. Es gelingt ihm auf ungewöhnliche und einfallsreiche Art, letztlich auch aufgrund seiner außergewöhnlich guten Reflexe. Er wird sich später als Nobody vorstellen.

An einer Raststation versuchen Halunken Beauregard mit Dynamit in die Luft zu sprengen. Dies weiß Nobody zu verhindern. Fortan wird Beauregard den jungen Nobody aber nicht mehr los.

Beauregard kämpft mit seiner Vergangenheit als Revolverheld, die ihn noch nicht loslässt. Es geht um veruntreutes Gold, sein Bruder ist darin verstrickt und einige seiner alten Bekannten wurden schon erschossen. Nobody scheint über fast alles Bescheid zu wissen und Beauregard immer einen Schritt voraus zu sein, vor allem aber immer alles im Griff zu haben.

Nobody hat ein großes Ziel. Er will berühmt werden, so wie sein Idol Beauregard, es vielleicht sogar übertreffen. Beauregard ist zwar ein Held, er soll aber noch ein Mythos werden der in die Geschichtsbücher eingeht. Nobody kann also nicht zulassen dass Beauregard so einfach von "irgendjemand" getötet wird, also passt er auch ein wenig auf ihn auf. Denn er soll es noch mit der Wilden Horde aufnehmen – 150 Pistoleros die so gut sind wie 1000, das würde ihn vollends zum Mythos machen.

Beauregard kann sich mit Nobody´s Idee naturgemäß nicht identifizieren. Er hat seine eigenen Probleme, denn er braucht zur Bezahlung der Passage auf dem Schiff das ihn nach Europa bringen soll noch Geld. Das wird er sich vom Minenbesitzer Sullivan (Jean Martin), der für die schmutzigen Geschäfte der Wilden Horde und dem Tod seines Bruders verantwortlich ist, holen.

Ob Beauregard will oder nicht, Nobody hat schon alles klug eingefädelt. Auch wenn gegen Ende zu Nobody ausnahmsweise einmal mit einer Einschätzung irrt, letztlich werden sich Beauregard und Nobody doch auf einer belebten Hauptstraße in New Orleans duellieren. Natürlich vor reichlich Publikum samt einem Fotografen. Damit Nobody sein Ziel – berühmt zu sein – erreicht, und Beauregard endlich seinen gewünschten Frieden hat.

Anmerkungen & Kritik

Mein Name ist Nobody ist ein melancholischer Abgesang auf den Italo-Western aus dem Jahr 1973. Regie führte Tonino Valerii, der seine Karriere als Assistent von Sergio Leone begann. Leone hat den Film auch konzipiert und produziert. Es ranken sich verschiedene Gerüchte und Legenden darum, wie stark Leone auf die Gestaltung des Film Einfluss genommen hat – bis hin, dass er selbst Szenen gedreht hat.

Der Film ist eine Symbiose aus dem klassischen harten Stil der Blütezeit des Italo-Western und den humorigen Vertretern der späten Jahre. Dadurch läuft der Film allerdings Gefahr dass er für den einen Filmfreund zu ernst und für den anderen zu humorig ist. Es gibt sogar richtig klamaukhafte Szenen an denen sich wohl die Geister scheiden werden. Wie auch immer, der Film ist letztlich eine gelungene Mischung der Stile und definitiv sehenswert. In diesem Zusammenhang kann man auch von einer Idealbesetzung der Darsteller sprechen. Henry Fonda als Vertreter und Inbegriff des klassischen alten Western und Terence Hill, Held der Trinity-Filme, als Vertreter und Wegbereiter der neuen Filmgeneration.

Beim finalen Duell stehen sich somit mit Jack Beauregard und Nobody nicht bloß zwei Revolverhelden gegenüber, sondern sie treten stellvertretend für zwei verschiedene Generationen, für Vergangenheit und Zukunft des Genres, gegeneinander an. Das Ergebnis scheint jedoch unvermeidlich, das alte Zeitalter, und somit auch der Italo-Western, geht zu Ende.

Beauregard wird nach seinem "Tod" einen Brief an Nobody schreiben: "Wenn ich zurückblicke, glaube ich, dass wir ein Haufen hoffnungsloser Romantiker waren. Wir glaubten, mit einer Kanone und einem Showdown alles lösen zu können. Aber damals war der Westen noch weites Land. Niemals begegnete man zweimal derselben Person. Aber als du kamst, hatte es sich verändert. Es ist eng und voll. Ständig läuft man denselben über den Weg."

Der Film persifliert sich und das ganze Genre. Er hat eine Menge spitzfindiger Dialoge und schöne Szenen.

Für das Eröffnungskapitel lässt sich der Film viel Zeit und hat, ähnlich wie in Spiel mir das Lied vom Tod, in den ersten 10 Minuten nahezu keinen Dialog. Nachdem Beauregard die drei gedungenen Mörder erschossen hat fragt der Barbierjunge seinen Vater "… kennst du jemand der schneller schießt als dieser Mann?", worauf dieser nachdenklich antwortet "schneller als er? Hmm … niemand!". Und damit blendet der Film über auf den im Fluss Fische fangenden Terence Hill, der sich ja später als Nobody – also Niemand – vorstellen wird.

Dem Wortspiel begegnet man noch öfters "… wenn du den Westen auch noch verlässt, wer bleibt dann noch über?" "Niemand!"

Sam Peckinpah hat einst eine Zusammenarbeit mit Leone abgelehnt. Also wird er gleich einmal auf einem Friedhof in Navajo begraben. "Sam Peckinpah …" wird Nobody von einem der Kreuze am Friedhof lesen, und dabei auch kommentieren, "… ein wunderschöner Name in Navajo". Wenig später sehen wir sogar die Wilde Horde (eine Hommage an Peckinpahs The Wild Bunch) über die Prärie reiten.

Eine der stärksten Momente des Films ist für mich jener am Friedhof im Navajo-Dorf, als Beauregard überraschend auf Nobody trifft. Dies ist eine melancholische, spannungsgeladene, latent gefährlich wirkende Begegnung die sich dann doch in Wohlgefallen auflöst. Man erfährt dabei auch etwas über die Hauptfiguren, im Besonderen über Nobody. "… gespielt habe ich nur als Kind, und weißt du was? Jack Beauregard!" Getragen wird diese Begegnung von einem wunderbaren Score Morricones der dabei Motive der Dollar-Filme bis hin zu Spiel mir das Lied vom Tod Revue passieren lässt.

Musik

Die Musik von Morricone passt perfekt zu Stil und Stimmung des Films. Nobody hat ein jugendlich-freches Motiv, während das für Beauregard ein eher melancholisch-schwermütiges ist.

Neben neuen melancholischen und satirischen Stücken variiert Morricone gekonnt altbekannte Motive und bietet insgesamt einen sehr vielschichtigen Soundtrack.

Hörprobe: My Name Is Nobody | Good Luck, Jack | The Wild Bunch | If You Are Somebody, It's My Fault

DVD

Deutschsprachig gibt es von Paramount Home Entertainment zwei unterschiedliche Ausgaben. Eine Einzel-DVD bzw. eine 2-DVD Collector´s Edition auf die ich im Folgenden eingehe.

Der Film wurde restauriert, ist in Originallänge zu sehen und präsentiert sich in HD mit ausgezeichneter Bild- und Soundqualität.

DVD Ausstattung: Disc 1

  • vollständig restaurierte Fassung
  • deutsche und englische Sprachfassung

Disc 2

  • 73-minütige Dokumentation Nobody is Perfect – Leones Grabgesang auf den Western der "alten Generation"
  • 35-minütige Dokumentation Nobody Dusted – Nobody vor und nach der Restauration
  • Sammelstücke, Poster und Aushangfotos, untermalt mit Filmsoundtrack
  • seltene Pressebücher
  • Nobody in 8mm – Promotion und Auszug aus der deutschen Veröffentlichung

Beide Dokumentationen sind recht interessant: Informationen über Leone, die Dreharbeiten, Interview und Erinnerungen von Terence Hill, u.a. Neben einem Bericht über die Restauration des Films erhält man dabei gleich auch eine Chronik des Heimkinos.

Die Tücken der Synchronisation

Deutsche und englische Sprachfassung offenbaren die Tücken einer Synchronisation. Der Rezensent hat sich zwar nicht auf die Sisyphusarbeit eingelassen die Fassungen Bild für Bild und Ton für Ton zu vergleichen, aber zumindest in der Szene am Friedhof der Navajo unterscheiden sich die Fassungen in zwei Punkten. Die Unterschiede scheinen gering, jedoch ist einer davon vom Sinn her durchaus bedeutsam.

Aufgefallen, aber nicht wirklich bedeutsam ist folgendes: Als Beauregard in das Navajo-Dorf reitet wird er von Morricones wunderbarer Musik begleitet. In der deutschen Fassung ist die Musik das dominierende Element und alle anderen Geräusche sind bis zum Erreichen des Friedhofs und dem Ende der Begräbniszeremonie ausgeblendet. In der englischsprachigen Fassung ist die Musik etwas dezenter und im Hintergrund sind die Gebete der an einem Begräbnis teilnehmenden Navajos zu hören.

Weitaus bedeutsamer und ein Beispiel wie ein einzelnes Wort den Sinn verfremden kann: Bauregard fragt einen der Navajo ob ein Weißer unter ihnen sei. Als der Navajo mit der Antwort zögert, sagt Beauregard dass der den er sucht nichts zu befürchte habe, "er ist mein Freund". In der englischsprachigen Fassung sagt er, "… es ist mein Bruder".

Ob Freund oder Bruder ist durchaus bedeutsam. Hier ist die englische Fassung präziser. Beauregard reitet zu den Navajo um eine Person, nämlich seinen Bruder Nevada Kid, zu suchen den er dort vermutet. Umso erstaunter ist er daher, als er stattdessen Nobody vorfindet, "sag mal, was suchst du hier?" In der englischen Fassung ist dieses Erstaunen plausibel, da er ja seinen Bruder erwartet hatte, wie bereits aus dem Dialog mit dem Navajo hervorgeht. Nobody wird Beauregard später einen Hinweis zum Verbleib seines Bruders liefern, nämlich die Inschrift auf einem der Gräber.

In der deutschen Fassung ist der Grund des Erstaunens nicht so einfach nachvollziehbar, da er ja gemäß Dialog mit dem Navajo "nur einen Freund" dort sucht, und damit könnte ja durchaus auch Nobody gemeint sein. Wenngleich man sich ein wenig wundert warum er ihn so kurz nach ihrem Kennen lernen schon als Freund bezeichnet und weshalb er überhaupt weiß dass er am Friedhof zu finden sei.

Resümee

Melancholischer Abgesang auf den Italo-Western unter der Regie von Tonino Valerii aus dem Jahr 1973. Eine gelungene Symbiose aus dem klassischen harten Stil der Blütezeit des Italo-Western und den humorigen Vertretern der späten Jahre. Mit Henry Fonda und Terence Hill in Idealbesetzung als jeweilige Vertreter ihres Genres. Die Musik von Morricone passt perfekt zu Stil und Stimmung des Films. Gute Bild- und Tonqualität sowie reichhaltige Extras auf der Paramount Home Entertainment DVD.

Film Review by Siringo, 28. März 2010

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