Spaghetti Western Podcast

Retrospektive Companeros BluRay Rezension

From The Spaghetti Western Database

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Es fehlt der Spaghetti Western Database sicherlich nicht an Filmbesprechungen des Sergio Corbucci Kultfilms Companeros, das zeigt ein Blick auf dessen Datenbankeintrag. Nachdem die US BluRay von Blue Underground und auch eine der vielen Neuauflagen in Deutschland (dazu gleich mehr) viel zu lange ungesehen bei mir herumlagen, habe ich mich im Zuge des Spagvemberfest daran gemacht, den Film nach vielen Jahren einmal neu für mich zu entdecken und mit etwas Distanz für mich jedenfalls auch neu einzuordnen. Seitdem ich ihn das letzte Mal gesehen habe sind viele viele Jahre vergangen und ich kenne heute ein Vielfaches mehr Italowestern als damals. Read the English version of this text.

Zur Handlung: der schwedische Waffenhändler Yodlaf Peterson (Franco Nero) ist auf dem Weg zu einem Treffen mit dem pseudo-revoluziönären Banditen Mongo (José Bódalo), den weniger sozialistische oder patriotische Ideale antreiben denn die Aussichten auf das Plündern der Staatskassen. Er hat einen einfachen Tölpel, den Basken (Tomas Milian) zum Feldmarschall ernannt, doch als der nicht verhindern kann dass der Schwede unfreiwillig in den Kontakt mit den linken Aufständischen, den Xantisten, in Kontakt kommt, wird er demontiert. Diese Truppe wird von einem in den USA inhaftierten Professor Xantos (Ferdinando Rey) angeführt, den der Schwede und der Baske nun aus dem Gefängnis von Yuma entwenden sollen, denn er kennt den Code für den Banktresor von San Bernadino. Mongo braucht das Gold darin um dem Schweden die Waffen abzukaufen. In den Wirren der Revolution jedoch nähert sich der Baske den Idealen der Xantisten an, und insbesondere deren örtlicher Anführerin Lola (Iris Berben). Nach einem waghalsigen Gefängnisausbruch auf der Flucht mit dem Professor Richtung San Bernardino, kommt es zu einem Showdown, den außerdem amerikanische Agenten, angeführt von John (Jack Palance) zu durchkreuzen versuchen.....

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Nach all den Jahren ist mein Eindruck des Films vor allem positiv. Das große Budget und das Selbstbewusstsein sieht man Sergio Corbucci's Arbeit hier deutlich an. Trotz der stolzen zwei Stunden Laufzeit ist der Film nicht langweilig und jede Aufnahme ist sorgfältig komponiert. Die Besetzung ist sehr passend - und man wird das Gefühl nicht los, Corbucci versuchte sich hier nochmal an der Thematik die er kurz davor mit dem konzeptionell extrem ähnlichen Il Mercenario schon mal versucht hatte. Statt Tony Musante ist hier Tomas Milian in der Rolle des unfreiwilligen Revolutionshelds, und man muss sagen Milian hätte möglicherweise in Mercenario ein besseres Bild abgegeben als Musante, aber womöglich zu viel komödische Züge mitgebracht. Companeros ist ein unterm Strich deutlich leichtherzigerer Film als Il Mercenario, der einen ernsteren, epischeren und brachialeren Anspruch hat. Companeros scheint auf den ersten Blick außerdem politischer zu sein, obgleich man die offensichtlichen Botschaften heruntergefahren hattte. Während Nero in seiner Rolle als Pole noch Musantes Figur anhand dem nackten Rücken einer schönen Frau das Konzept der Revolution erklären durfte, ist er in diesmal als Schwede maximal ein Glücksritter, und es ist der Professor, der Milians Figur die friedliche Revolution lehrt. Kurzum, Corbucci wirft nochmal neues Licht auf eine alte Prämisse, und die Rechnung geht auf: es ist erneut ein großartiger Revolutionswestern.

Geändert hat sich auch das Frauenbild. Die großartige Giovanna Ralli in Il Mercenario spielte eine verbissene Widerstandskämpferin, stolz und stark, aber vom Drehbuch oftmals an den Rand degradiert. Iris Berben wiederum darf - obwohl auch Sie vom Drehbuch zum einfachen Landmädchen degradiert wird und gleich zu Anfang des Films einmal entblößt wird - von Anfang bis Ende konstant den moralischen "High Ground" einnehmen. An ihrer Figur ist nie ein Zweifel, sie ist keine "Femme Fatale" sondern die Konstante. Ganz anders erwischt es Jack Palance, dessen Rolle hier nur ein billiger Abklatsch seiner Performance als Curly in Il Mercenario ist. Er taucht hier mit fettigen Haaren, kiffend und mit einem Habicht als Schoßhund hin und wieder auf als Metapher für das sich ewig in den Angelegenheiten anderer Länder einmischende Washington.

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Eine der größeren Schwächen von Companeros ist meines Erachtens der Soundtrack von Ennio Morricone. Abgesehen vom Kriegslied das den Titel des Films dominiert, und die Generation meiner Eltern sicherlich nach dem Kinobesuch sicherlich in der Kneipe gegröhlt haben muss, hat der Score hier nicht viel zu bieten. Es sind bekannte Motife aus Ennios Schublade, aber das ist fernab von den unsterblichen Gänsehaut-Klängen aus Il Mercenario oder der Größe und dem Crescendo das man in Tepepa zu hören bekommt. Damit komme ich zu einem weiteren Aspekt der mich über die Jahre beschäftigt hat: Milian und Orson Welles liefern sich in Petronis Tepepa ein spannendes Duell und sind Protagonisten in einem Revolutionswestern der - so meine These - zu den am wenigsten beachteten des Genres, aber insgeheim womöglich zu den besten gehört. Dass Tepepa bis heute so ein Nischendasein fristet mag auch an der langjährigen Schwierigkeit gelegen haben eine ordentliche Version zu sehen. Aus heutiger Sicht würde ich sogar vorsichtig formuliert Tepepa gegenüber Todesmelodie vorziehen. Aber ich komme vom Thema ab.

Companeros ist damals wie heute ein großartiger kleiner Film, der die Klaviatur der Zuschauererwartung spielt und wie wenige andere den Zahn der Zeit trafen. Kein Wunder dass der Film im Deutschland der späten 60er ein Kassenschlager war - er sprudelt gerade so vom Geist der 68er. Leider tut er dies auf eher plumpe und wenig tiefgründige Art und Weise. Companeros ist popkulturell gesehen eher Mainstream-Kino, während ich soweit gehen würde zu sagen dass Il Mercenario von den beiden eher der Genrefilm ist und war. Il Mercenario ist nicht weniger politisch, aber er ist schwerere Kost, und diese ist noch viel kompetenter und ausgefallener in einem epischen Abenteuerdrama verpackt. Sergio Corbucci bewies mit Companeros wozu er fähig war, lediglich die Luftangriffe fehlten, und er beendet den Film sowohl mit einem Knall, als auch mit einem Apell an die Europäer: stellt Euch auf die seiter der Revoluzzer. Ich lasse mich von Historikern gerne korrigieren: eindeutiger konnt er damals gar nicht werden, das war für damalige Verhältnisse wie ein Pamphlet.

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Nun zur BluRay, bzw. den BluRays (ich publiziere diesen Text in einer direkten Übersetzung ins Englische, die dann wiederum den Fokus auf der amerikanischen BluRay hat).

Die 2017er Neuauflage vom DigiDreams Label (am Anfang des Artikels abgebildet) verzichtet auf einige Dreingaben vorheriger Auflagen die noch mehr Scheiben im Schuber hatten und bietet dennoch viel fürs Geld (das trifft eigentlich für alle Titel zu, die in der "Complete Edition" Reihe erscheinen: wer auf den Schnörkel verzichten und die Bildqualität verschmerzen kann, ist hier richtig). Man bekommt die ungekürzte Langfassung des Films, kann zwischen der deutschen oder der italienischen Tonfassung wählen, und bekommt - so man denn will - in den Extras auch noch die leicht gekürzte US-Kinoversion zur Auswahl sowie die deutsche Comedy-Synchro (die so nützlich ist wie ein Kropf). Die Bildqualität ist okay, aber leidet durchaus (leider ein Dauerbrenner bei diesem Label) unter zu starkem digitalen Rauschfilter und der dadurch erfolgten Weichheit und Detailverlust des Bildes, das eigentlich auf einer sehr guten Abtastung beruhen dürfte. Der Ton (diesmal den 5.1 Upmix Deutsch getestet) klingt bis auf einige Ausreisser recht solide und sorgt für ein gutes Kinoerlebnis ohne dass man die Abmischung zu stark verfälscht hätte. Immerhin ist das Ausgangsmaterial in Mono, man hat es hier lediglich etwas aufgeblasen, mehr Raumklang oder Dynamik einer Stereospur ergibt sich daraus dennoch nicht. Zum italienischen Ton gibts natürlich optionale deutsche Untertitel - allerdings gibt es weder englische Untertitel noch eine englische Tonspur. Jedenfalls nicht bei der Langfassung. Bei Auswahl der US-Kinofassung ist der Ton tatsächlich auch die englische Synchro. Etwas seltsam insgesamt. Auch die Comedy-Synchro ist nicht etwa eine Option im Tonmenü, sonder ein "Extra". Da aber die etwa 15 Minuten gekürtze Version mit der die Comedy-Synchro damals die Kinosäle in Neuaufführung erreichte so nicht mehr vorliegt, hat man diese einfach über die Langfassung gelegt. An den fehlenden Stellen wird das durch die "ernste" Synchro aufgefüllt. Ein paar wenige Extras runden das Paket ab, das nicht so ordentlich aussieht wie die Edition von '84 Entertainment wohl gemerkt. Dazu gehören diverse Trailer, Filmografien als Texttafeln, ein Fotoroman und diverse weitere Bildergalerien (Artworks und Poster). Das seltsamste Extra ist "Film starten mit PAL-Speedup", das macht irgendwie auf einer BluRay erstens wenig Sinn, zweitens braucht das kein Mensch. Unterm Strich eine ordentliche BluRay für das Geld, aber man würde sich eine Neuauflage von einem Label wünschen, das mit dem verfügbaren Material nochmal ein etwas mehr originalbelasseneres Bild abliefert, und den englischen Ton als Auswahloption für die Langfassung anbietet, anstatt die US Kinofassung separat anzubieten (man kann ja per Menü den US-Vorspann als Extra anbieten).

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Zum Vergleich ziehe ich die US BluRay von Blue Underground heran. Da die ohne Regionalcode ausgeliefert wird ist sie eine echte Alternative. Diese geht den ebenfalls nicht ganz optimalen Weg und lässt zu Beginn auswählen, ob man Companeros, die englische Version mit 115 Minuten Laufzeit (also die US-Kinofassung) stehen möchte, oder Vamos a Matar Companeros, die italienische Version mit 119 Minuten Laufzeit (also die ungekürzte Originalfassung). Die US Fassung hat Englische, Französische und Spanische optionale Untertitel. In Sachen Bildqualität ist im Vergleich zur Fassung auf der deutschen Scheibe kaum ein Unterschied festzustellen. Ein echter Screenshot Vergleich steht mir nicht zur Verfügung, aber ich behaupte mal das ist identisch und leidet damit unter den gleichen Problemen: etwas zu viel DNR und damit viel Detailverlust und etwas verwaschenes Bild. Für die italienische Fassung bietet Blue Underground - und jetzt wird es interessant - den Italienischen Ton (DTS-HD mono) und auch Englisch (ebenfalls)! An Untertiteln hier allerdings nur Englisch für den Fall der Auswahl von Italienisch als Tonspur.

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Beim Bild erkenne ich ebenfalls keinen wirklichen Unterschied (es wirkt ein klein wenig dunkler) und es leidet leider auch unter den gleichen schon beschriebenen Problemen. Der Killer ist hier aber der Audiokommentar mit C. Courtney Joyner und Henry Parke. Der Kommentar ist informiert und unterhaltsam, und es gibt auch nicht so viele Italowestern mit Kommentaren somit schon alleine das sehr außerordentlich. Man lernt als Kenner nicht mehr allzuviel aber es gibt eine sehr gute Perspektive auf den Film da er durchaus auch gut recherchiert ist und auch viel an Analyse mitbringt, z.B. was Motive und Erzählstrukturen betrifft. Es gibt wenige weitere interessante Extras. In the Company of Companeros ist ein Interview mit Franco Nero und Tomas MIlian sowie Ennio Morricone (17min), nicht mehr ganz neu aber recht aufschlussreich diese Legenden über den Film sprechen zu sehen, dazu kommen diverse Trailer und TV Spots sowie eine Bildergallerie.

Fazit: Ich halte die US Disc für das bessere Produkt, auch wenn es ebenfalls nicht frei von Verbesserungspotential ist. Zur Perfektion hätte hier z.B. gefehlt, dass man sich den deutschen Ton gesichert hätte und auch für die Langfassung die anderen Untertitel angeboten hätte.


Verfasst von Sebastian. Screenshots via Blu-Ray.com

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