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Starblack – fiat justitia, et pereat mundus

From The Spaghetti Western Database

Mittelalter: Robin Hood nimmt den Reichen und gibt den Armen. 1919: Zorro hilft den Unterdrückten, rächt die Machtlosen, bestraft die Grausamen. 1933: Der Lone Ranger kämpft gegen das Verbrechen und für Gerechtigkeit. 1939: Gnadenlos ahndet der Bat-Man Unrecht und Vergehen. 1966: Starblack schleudert Schurken seine Shuriken mit stupend-letaler Präzision entgegen. Wurfsterne oder Revolverkugeln – Starblack trifft immer.


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HAMLET: Sprich! mir ist’s Pflicht zu hören.
GEIST: Zu rächen auch, sobald du hören wirst.
HAMLET: Was?
[1]


Man kehrt nach Jahren der Mühsal in der Fremde nach Hause zurück, und was muss man feststellen? Der Vater tot, die Mutter verheiratet mit dem Onkel, und die Heimatstadt fest in den Händen eines skrupellosen Geschäftemachers und einer Bande von Galgenvögeln. Der junge Rancher Johnny Blythe (Robert Woods) ist gewiss kein dänischer Prinz, gerät aber in genau diese Bredouille, als er aus Colorado in seinen Geburtsort zurückkommt. Der Schubiack Curry (Franco Lantieri) versucht zwar sich den Anschein der Respektabilität zu geben, setzt in Wahrheit aber alle Farmer und Rancher der Gegend unter Druck, ihm billigst ihr Land zu verkaufen, darunter auch den alten Williams (Eugenio Galadini) und dessen Tochter Caroline (Elga Andersen).


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Curry begehrt Caroline ganz ungemein. Sie verabscheut ihn in diesem Ausmaß reziprok invers. Aber das ist Curry wurst.


Johnny Blythe ist nicht alleine gekommen: Sein Faktotum Job[2] („Hiob“, Renato Rossini) begleitet ihn überallhin. Job gibt vor, nicht hören und sprechen zu können. Das ist aber nur eine List. Johnny wiederum verhält sich wie ein Hasenfuß, der gerne Gitarre spielt und schwermütige Weisen singt. Ebenfalls eine List. Als er seine geliebte Manuelita (Jelena Žigon), jetzt verheiratet und Mrs. Foster, nach den langen Jahren seiner Abwesenheit wiedersieht, ist er so aus dem Häuschen, dass die beiden sich im Grase rollen.[3]


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Foster und Blythe im Taumel der Wiedersehensfreude


Von seinem Onkel, Richter Harold „Hal“ King (Harald Wolff), muss Johnny erfahren, dass sein Vater Rayfield tot ist – angeblich vom Pferd gestürzt – und er jetzt gleichzeitig Neffe und Stiefsohn für Oheim Hal ist. Man fragt sich allerdings, wie die Verwandtschaftsverhältnisse mit den Namen der Figuren zusammenpassen. Wie sein Onkel müsste Johnny auch King heißen, nicht Blythe (oder Blyth, macht keinen Unterschied in der Aussprache). Aber möglicherweise ist „Blythe“ nur sein Beiname, im Sinn von „fröhlich, munter“ („blithe“). Falls Johnnys Nachname tatsächlich so lautet, hätte Richter King folglich seine eigene Schwester geheiratet, Johnnys Mutter, die von der 1910 als Marianne Tuch geborenen österreichischen Kammerschauspielerin Jane Tilden dargestellt wird.[4]

Irgendwas ist da faul mit King und Curry und dem Tod von Johnnys Vater, denken sich Johnny und Job. Obendrein taucht gleichzeitig mit ihnen in der Stadt ein vermummter Revolverheld auf: Starblack genannt, grau gewandet, den Kopf unter einer dunkelblauen Strumpfmaske verborgen,[5] trotzdem die personifizierte Hellsichtigkeit und Treffsicherheit. Wird Starblack den üblen Machenschaften Currys Paroli bieten können? Das Rätsel um den Tod von Johnnys Vater lösen? Und wer verbirgt sich in Wahrheit hinter der Maske?


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Starblack, eine italienisch-deutsche Koproduktion aus dem Jahr 1966, deutscher Titel: Django – schwarzer Gott des Todes, bietet naive Unterhaltung für Western- und Superheldenaficionados, die Überraschungen nicht schätzen. Gianni Grimaldis zweite und vorletzte Regiearbeit im Wildwestgenre mutet wie ein Kinder- oder Jugendfilm an, wäre Starblack nicht ziemlich brutal und in seinen zahlreichen Tötungssequenzen recht explizit. Grimaldi führte nicht nur Regie, er verfasste auch das Drehbuch, inspiriert von Zorro und dessen wie Job (vorgeblich) taubem und stummem Diener Bernardo. Handwerklich fällt Starblack weit hinter sein Westerndebüt All’ombra di una colt zurück. Er bemüht sich zwar um ein paar interessante Übergänge von Sequenz zu Sequenz, ebenso um einige ausgefallene Kamerapositionen; im Vergleich zu All’ombra wirkt Starblack jedoch gehudelt und sorglos. Offensichtlich standen nur ein geringes Produktionsbudget und eine knapp bemessene Drehzeit zur Verfügung.[6] In dieser Hinsicht schneidet Grimaldis letzter Western, eigentlich eine Komödie, wesentlich besser ab: Il bello, il brutto, il cretino („Der Schöne, der Hässliche, der Blöde“; bisher keine deutschsprachige Veröffentlichung) muss man zwar nicht lustig finden, handwerklich gut gemacht ist die Leone-Persiflage[7] aber allemal.


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Zwei glorreiche Knallköppe: Franco Franchi und Ciccio Ingrassia. “The kind of parody involved in their comedies did little damage to the reputation of the western itself, since the slapstick quality of the parody never called the myth of the western into question.”[8] Am 23. Dezember 1966 wurde Leones Il buono, il brutto, il cattivo uraufgeführt, am 13. August 1967 bereits Grimaldis Travestie Il bello, il brutto, il cretino.


Nach dem Erfolg der beiden Sergio-Leone-Western Per un pugno di dollari und Per qualche dollaro in più 1964 und 1965 überflutete die Italowesternwelle in den folgenden vier, fünf Jahren die europäischen Kinos. Allein im August 1966[9]Starblack erschien am 25. dieses Monats – waren in Italien neu zu sehen: Tonino Valeriis Regiedebüt Per il gusto di uccidere (6.), Le colt cantarono la morte e fu … tempo di massacro, dirigiert von Lucio „Zombi“ Fulci (10.), Johnny Yuma (Romolo Guerrieri, 11.), Dinamita Jim (Alfonso Balcázar, 12.), Djurado (Giovanni Narzisi, 20.), Tinto „Reggicalze“ Brass’ einziger, formal gewagter Wildwestfilm Yankee, uraufgeführt am selben Tag wie Starblack, zwei Tage später Arizona Colt (Michele Lupo) und schließlich am 28. des Monats Texas, addio (Ferdinando Baldi).[10]

Ein ganz schönes Getümmel, Grimaldis zweiter Western konnte sich da nicht nach vorn drängeln: “[…] Starblack combines old-fashioned heroism with new-fangled Italian western ruthlessness, but the films domestic takings were insufficient to take his escapades any further.”[11] Also leider keine Fortsetzung. Wie „cantante extraordinario“ Roberto Bosque[12] im Titellied singt: “Loneliness is the best friend of sadness.”


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Anmerkungen:

  1. William Shakespeare, „Hamlet, Prinz von Dänemark“ (um 1600; übersetzt von A. W. von Schlegel), in: ders., Sämtliche Dramen. Band III: Tragödien (nach der dritten Schlegel-Tieck-Gesamtausgabe von 1843/1844), München: Winkler, 1988, S. 589–701, hier: S. 610.
  2. Im Gegensatz zu den portugiesischen Untertiteln einer brasilianischen VHS-Version geben sowohl die italienischen wie auch die deutschen auf der Blu-Ray-Veröffentlichung von Colosseo Film aus dem Jahr 2020, Django – schwarzer Gott des Todes, seinen Namen als Jop wieder.
  3. Das Verhältnis zwischen Manuelita und Johnny bleibt in der englischen und in der italienischen Sprachversion undefiniert. Die deutsche Synchronisation macht sie zu Geschwistern.
  4. Die Jane-Tilden-Gasse in Wien-Floridsdorf, am Gesäß der Welt, wurde ihr zu Ehren so benannt.
  5. Voll maskierte Westernhelden waren bereits aufgetreten 1938 in der Filmreihe The Lone Ranger (William Witney, John English), 1940 in Deadwood Dick (James W. Horne), 1941 in The Masked Rider (Ford Beebe). Zum Beispiel. Nicht dass ich diese Filme gesehen hätte – aufgefallen sind sie mir beim Durchblättern von Mark Fertigs wunderbarem Buch Hang ’Em High: 110 Years of Western Movie Posters, 1911–2020, Seattle: Fantagraphics, 2021, S. 138, 154, 160.
  6. Raison d’Être respektive Conditio sine qua non des seriellen, industriellen „Filone“-Systems.
  7. Vielleicht weniger Persiflage als eher Appropriation: Franco Franchi und Ciccio Ingrassia bemächtigen sich des berühmten Films von Leone und ersetzen zwei von dessen drei Hauptfiguren.
  8. Peter Bondanella, A History of Italian Cinema, New York, London: Bloomsbury, 2013 (2009), S. 366.
  9. Insgesamt wurden 1966 in Italien 245 Kinofilme hergestellt, 77 mehr als in Hollywood (siehe Dimitris Eleftheriotis, Popular Cinemas of Europe: Studies of Texts, Contexts and Frameworks, London: Continuum, 2001, S. 105; zit. in Austin Fisher, Blood in the Streets: Histories of Violence in Italian Crime Cinema, Edinburgh: Edinburgh University Press, 2020 [2019], S. 40). Auf der SWDb-Seite für das Jahr 1966 finden sich 83 Einträge, nicht alle davon für italienische Western, aber der Großteil. Sergio Leones Il buono, il brutto, il cattivo steht wenig überraschend an der Spitze der Rangliste der in Italien kommerziell erfolgreichsten italienischen Western, die in diesem Jahr ebendort uraufgeführt wurden; gefolgt von Per pochi dollari ancora (Giorgio Ferroni), Arizona Colt (Michele Lupo), Sergio Corbuccis Django, Sette pistole per i MacGregor (Franco Giraldi), Texas, addio (Ferdinando Baldi), Le colt cantarono la morte e fu … tempo di massacro (Lucio Fulci), Sette dollari sul rosso (Alberto Cardone), der Franco-e-Ciccio-Komödie I due figli di Ringo (Giorgio Simonelli), Damiano Damianis ¿Quién sabe?, El precio de un hombre (Eugenio Martín), Pochi dollari per Django (León Klimovsky und/oder Enzo G. Castellari), Mille dollari sul nero (Cardone), Ringo, il volto della vendetta (Mario Caiano), Django spara per primo (Alberto De Martino) und Sugar Colt, dirigiert von Franco Giraldi (kompiliert aus „Highest Grossing Italian Westerns, 1962–1980 [Domestic Prima Visione Box-office Returns]“, einem Appendix in Austin Fishers Studie Radical Frontiers in the Spaghetti Western: Politics, Violence and Popular Italian Cinema, London, New York: I.B.Tauris, 2014 [2011], S. 219–222). Erstaunlicherweise fehlen in dieser Top-100-Liste so bekannte 1966er-Spaghettiwestern wie Corbuccis Johnny Oro und Navajo Joe, Per il gusto di uccidere (Tonino Valerii), Johnny Yuma (Romolo Guerrieri), Tinto Brass’ Yankee oder Carlo Lizzanis Un fiume di dollari; Sergio Sollimas Westerndebüt, La resa dei conti, wurde zwar 1966 gedreht und in Spanien uraufgeführt, in Italien aber erst 1967 gezeigt.
  10. Diese Aufzählung ist nicht komplett, sondern beinhaltet lediglich jene Filme, die ich gesehen habe.
  11. Kevin Grant, Any Gun Can Play: The Essential Guide to Euro-Westerns, Godalming: FAB Press, 2011, S. 272.
  12. D. i. Roberto Bosco, „cantante straordinario“.

Der lateinische Teil des Titels meines Aufsatzes bedeutet: „Gerechtigkeit geschehe, und gehe die Welt zugrunde“. Die den Text begleitenden Bilder sind nicht der ausgezeichneten Blu-Ray-Veröffentlichung Django – schwarzer Gott des Todes von Colosseo Film aus dem Jahr 2020 entnommen, sondern der digitalisierten Version einer brasilianischen Videokassette aus dem Jahre Schnee.

Compañero M.

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