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Töte, Django DVD Rezension

From The Spaghetti Western Database

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Rezension der filmArt Veröffentlichung von Töte, Django am 28. Juni 2013 erschienen.


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Der Film

Oaks (Piero Lulli) und seine Männer erbeuten mit Hilfe von Django (Tomas Milian) und ein paar Mexikanern bei einem Überfall auf Soldaten, einen Haufen Gold. Aus Habgier lässt Oaks seine Komplizen brutal niederschiessen. Django überlebt und wird von zwei Indianern gesund gepflegt. Wieder bei Kräften und getrieben von Rache, verfolgt er die Spur von Oaks und seinen Männern. Seine Reise führt ihn in eine kleine Stadt, in der das Chaos herrscht: Meuchelmord, Folter, Tierschändung, Homosexualität und unmenschliche Brutalitäten. Die Grausamkeit der Menschen scheint unvorstellbar. Das Gold ist in der Stadt, und jeder wird töten, um es zu bekommen!


Filmkritik:
"Se sei vivo spara" gehört mit Sicherheit zu den ungewöhnlichsten Spaghetti-Western. Ja, man könnte den Film eventuell sogar DEN außergewöhnlichsten italienischen Western überhaupt nennen, denn Regisseur Giulio Questi hielt sich hier nicht an die traditionelle Formel des Italo-Western, sondern verarbeitete sehr viel eher seine Erlebnisse als anti-faschistischer Partisanenkämpfer im Zweiten Weltkrieg. Der aus Bergamo stammende Questi schloss sich mit 18 Jahren den Partisanen an und kämpfte unter ihnen zwei Jahre lang in den Bergen bis zum Zusammenbruch des Faschismus. Als sich ihm Mitte der sechziger Jahre die Möglichkeit bot einen Western zu inszenieren, nahm er diese Gelegenheit wahr, obwohl ihn Western eigentlich überhaupt nicht interessierten. Er ergriff vielmehr die Chance etwas umsetzen zu können, was er wirklich wollte und tat dies auch, nur tarnte er seine Ideen in dem Gewand eines Western. Was dabei herausgekommen ist kann nur als groß- und einzigartiges Experiment bezeichnet werden.

Schon gleich zu Beginn, als "Django" von den Toten "wiederaufersteht", wobei seine Hand langsam aus dem Grab auftaucht, wird der Zuschauer mehr an einen Horrorfilm als an einen Western erinnert. Dieser Eindruck bestätigt sich noch mehr, als die von Oaks angeführten Banditen im "Feld des Schreckens" ankommen, wo ihnen die verschiedenartigsten Bilder von Kindesmisshandlung, häuslicher Gewalt oder Tierquälerei geboten werden. Das ganze wird noch durch die unheimliche Beleuchtung und Atmossphäre im Saloon verstärkt, wo ein Handlanger von Oaks die Bemerkung fallen lässt, es sei dort doch so seltsam dunkel. Die Musik von Ivan Vandor trägt neben Questis Fokus auf Leichen (die hin- und hergeschleift, aufgehängt und losgeschnitten werden) zusätzlich zu der Note eines Horrorfilms bei. Genauso könnte der Charakter des Hagerman mit seiner Habgier, seinem Pietismus, Sadismus und seiner hinter einer schwer verriegelten Tür eingesperrten "geisteskranken" Frau, einem Horrofilm entsprungen sein. Weiterhin ist in "Oro Hondo" überhaupt gar kein positiver Charakter vorhanden, wenn man mal von den beiden Indianern absieht. Selbst "Django" ist nicht frei von Schuld, da er ja an dem Überfall auf den Goldtransport teilgenommen und Soldaten umgebracht hat. Jedoch scheint er durch seine Rückkehr von den Toten eine Art Chance zu seiner Rehabilitierung erhalten zu haben. Möglicherweise wäscht er sich deswegen auffallend oft die Hände? Schließt man Oaks (Piero Lulli) mit ein, so sieht sich "Django" mit vier Hauptbösewichten konfrontiert, die ihn allesamt hintergehen (wollen). Nachdem er seine Rache an Oaks vollzogen hat, verfällt er in eine rätselhafte Trägheit und verbringt jeweils eine Nacht bei den drei übrigen Schurken. Da ist zum Beispiel Tembler (Milo Quesada), der Wirt, dessen Sohn Evan (Ray Lovelock) unbändigen Hass gegen die Geliebte seines Vaters hegt; Hagerman (Paco Sanz) mit seinem oben erwähnten Horrorfilm-Haushalt und der Großgrundbesitzer Sorro (Roberto Camardiel), der sich mit einer Horde in Schwarz gekleideten, (vermutlich) homosexuellen Cowboys umgibt. Der Letztere ist gleichzeitig der interessanteste der Vier, spielt er doch mit Zinnsoldaten, spricht mit seinem Papagei und bedient ein mechanisches Klavier, während er seine an ein Kreuz gefesselte Opfer (so auch Django) mit Eidechsen, Vampirfledermäusen oder Skorpionen foltert. Er erscheint grausamer und gefährlicher als die anderen zu sein, ist aber erschüttert, als Tembler, nur um das Gold behalten zu können, mit einer Lüge das Leben seines eigenen Sohnes riskiert. Wie herzlos Sorro ist erfährt man, als er daraufhin sofort Evans Tod befiehlt. Alles in Allem überbieten sich die Ganoven in ihrer Gier nach Gold gegenseitig an Habsucht, Bösartigkeit und Grausamkeit, was zu deren aller Niedergang führt. Oaks wird von "Django" mit Goldkugeln vollgepumpt und sein Körper anschließend von den goldgeilen Bürgern der Stadt zerissen; Tembler wird von Hagerman mit "Djangos" Colt erschossen; Flory, Temblers habgierige Geliebte, wird ebenfalls von Hagerman mit einem Gewehr erschossen; Sorro wird von "Django" erledigt und letztendlich verbrennt der mit flüssigem Gold überschüttete Hagerman in seinem Haus, was vorher von dessen "verrückten" Frau in Brand gesteckt worden ist. Von den mit Schuld Beladenen überlebt am Ende nur "Django", der das "Feld des Schreckens" nun wohl rehabilitiert verlassen kann. Aber nicht ohne feststellen zu müssen, dass die Kinder der Stadt das bösartige Verhalten ihrer Eltern in ihrem Spiel imitieren ("Schreien musst Du, schreien!").

Wer ernste und düstere Western mag, wird "Töte, Django" lieben. Hier stimmt über Fotografie, Musik, Schauspieler und Plot eigentlich alles. Der Film verfügt über etliche tolle Kameraeinstellungen; der Soundtrack ist zwar, wie oben erwähnt, nicht sehr westernmäßig, passt hier aber spitze; die Geschichte spiegelt sehr treffend unsere kapitalistische Gesellschaft wider und die Schauspieler gehen mit gehobener Spiellaune zu Werke. Tomas Milian spielt hier etwas ruhiger und nicht so aufgekratzt wie in den meisten seiner anderen Filme, während Piero Lulli in seiner Rolle als schmieriger und fieser Banditenboss Oaks schlichtweg brilliert. Insgesamt machen alle Schauspieler einen sehr guten Eindruck. Wer dabei aber besonders heraussticht ist meiner Meinung nach Paco Sanz, der den intriganten, an Doppelmoral und falscher Frömmigkeit kaum noch zu überbietenden Ladenbesitzer Hagerman nahezu perfekt darstellt.

Die DVD

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Der Film liegt ungekürzt sowie restauriert vor und sieht wirklich hervorragend aus. Das Bild ist farbenfroh und anamorph (2,35:1), bietet akzeptablen Kontrast auch in Nachtszenen und ist vollkommen frei von Bildschäden. An Schärfe mangelt es dem Film auch nicht. Hier wurde sich eine Menge Mühe beim Restaurieren gegeben. Das Ergebnis kann sich mehr als nur sehen lassen. In Sachen Ton bietet filmArt zwei Spuren (deutsch und italienisch) an, beide Tonspuren lassen sich sehr gut hören. Untertitel (deutsch) gibt es für Fans des italienischen Tons auch. Als Extras sind der deutsche und ein internationaler Trailer, eine umfangreiche Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, das Featurette "Ray Lovelock in Conversation", ein 6-seitiges Booklet mit einem sehr informativen Text von Pelle Felsch sowie ein schön gestaltetes Wendecover (siehe mittleres Bild auf der rechten Seite) enthalten.

Bildvergleich

DVD von X-Rated (oben) vs DVD von filmArt (unten). Zum Vergrößern klicken.

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Urteil

Applaus an filmArt, diesen Film endlich veröffentlicht zu haben. Zu lange haben Fans auf eine ordentliche (Wieder-)veröffentlichung dieses Films gewartet, denn die X-Rated DVD ist ja schon seit längerer Zeit nur noch schwierig oder sehr teuer zu bekommen. Der Film weiss aufgrund seiner soliden Inszenierung, dem besonderen Plot und seinen top Darstellern sehr zu unterhalten. Die DVD bietet ausgezeichnete Qualität und die Boni sind ok, wobei das Interview mit Ray Lovelock auch noch etwas interessanter hätte ausfallen können. Insgesamt gelingt filmArt eine sehr gute Veröffentlichung, die in keinem Sammlerregal fehlen darf. Wer allerdings einen "herkömmlichen" Spaghetti-Western erwartet wird enttäuscht werden.


--Bluntwolf, 01st July 2013 (CEST)


Diese DVD wurde freundlicherweise von filmArt zur Verfügung gestellt.


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