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Tepepa BluRay Kritik

From The Spaghetti Western Database

Es ist kurz nach der Jahrtausendwende und in Mexiko sind die Wirren der Revolution noch in der Luft. Tepepa (Tomas Milan) hatte damals an der Seite des Revolutionsführers Madero gekämpft um das Bauernvolk von den Landbesitzern zu befreien. Doch an der Macht zeigt sich Präsident Madero nicht in der Lage, das System umzukrempeln. Insbesondere das Militär unter Oberst Cascorro (Orson Welles) ist skrupellos dabei, die wenigen Erfolge der Revolution wieder rückgängig zu machen. So landet auch Tepepa wieder im Knast und erwartet seine Erschießung. Überraschend wird er von dem Engländer Price (John Steiner) in letzter Minute befreit, der fortan ein unfreiwilliger Gefährte des Mexikaners wird, ohne dass sobald klar ist was dessen Motive sind, bis sich dieser als rachesuchender Witwer einer Frau zu erkennen gibt, die Tepepa früher wohl auf dem Gewissen hatte. Mit Price als Geisel nimmt das Ganze eine Wende. Tepepa will den Präsidenten konfrontieren, doch Cascorro fährt das Militär auf um den Revoluzzer endgültig aus dem Weg zu räumen….

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Die BluRay lag nun auch schon lange in meinem Regal. Bisher hatte ich mich immer ein wenig vor der Länge des Films gescheut, und es vor mich hergeschoben, den Film zu sehen. Was für ein Versäumnis. Ja, der Film hat nicht so viel Pfeffer wie Companeros, und ist nicht so ein unsterblicher Kultfilm wie Die Gefürchteten Zwei, aber auch Tepepa ist unverkennbar ein Klassiker den man gesehen haben muss. Er ist nur eben subtiler auf seine eigene Art und Weise.

Die 68er waren damals ja ein fruchtbarer Nährboden für da Genre des sogenannten Zapata-Western, denn die Themen von Kolonialismus und sozialistischer Revolution trafen auf offene Ohren bei demonstrierenden Studierenden und dem breiteren Kinopublikum, welches sich nach politisch brisant-subversivem Material sehnte, der bürgerlichen Facade zum Trotz. Tepepa war nicht der erfolgreichste dieser Filme, aber mit Sicherheit einer der ernsteren - und retrospektiv gesehen wohl einer der erwachsensten.

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Dabei hat der Film einige offensichtliche Ähnlichkeiten zu Töte Amigo: auch da gibt es einen Revoluzzer und einen blonden Gringo der ihn eigentlich töten will, verbündet gegen einen bösen Militär. Dass der Film ein Schema hat, ist aber unproblematisch, immerhin folgt das Genre gewissen Grundzügen. Sehr gekonnt ist hier das persönliche Schicksal der Protagonisten verwoben mit dem Schicksal des Landes, und die Politik hier nicht zu dick aufgetragen sondern als Teil der Erlebnisse der Charaktere Eindrucksvoll geschildert.

Dazu passt ganz gut die Musik von Ennio Morricone, die einen wie immer zu Tränen rührt. Und was für eine starke Szene, in der Tepepa den Brief diktiert und das für Rückblenden genutzt wird, ein stilistischer Trick der meines Erachtens sonst in Italowestern nicht zum Einsatz kam und sehr wirksam ist. Tepepa der neue Revoluzzer wendet sich darin an den amtierenden Präsidenten Madero, durch den er damals die Widersprüche von Revolution und Machtherrschaft, Demokratie und Gerechtigkeit, kennen gelernt hatte, nachdem er als Kind an Maderas Seite seinen Vater verloren hatte. Es ist eine unglaublich starke persönliche Szene die Emotion und Politik sehr gekonnt verbindet.

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Es fällt mir schwer zu beschreiben worin das Genie des Films steckt, aber diese Szene ist ein Schlüsselmoment. Tepepa ist eine tragische Figur. Während Milan in Companeros, oder Tony Musante in Il Mercenario, noch einen funken Komödie hatten, etwas einfältiges, ist Tepepa hier einfach melancholischer Mann, enttäuscht, voller Herz und Emotion, wütend - oder verbittert gar. Vor der Kulisse der blitzblank sauberen weißen Häuschen von Los Albaricoques lässt Giulio Petroni hier ein Melodram abspielen, dass bei Italowestern-Fans oft übersehen wird. Tepepa ist ein großer Film, dessen Stärke in seiner Bescheidenheit liegt. Dass Orson Welles sich später nicht mehr für den Film eingesetzt hatte, und der Soundtrack unter dem Werk Morricone meist wenig Beachtung finden, ist schade.

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Die BluRay von Koch Media war lange Zeit überfällig. Sie erschien damals in der Western Unchained Reihe im Mediabook, zusammen mit einigen anderen Klassikern des Genres.

Die englische Tonspur, die ich getestet habe, wechselt an viele Szenen ins Italienische mit englischen Untertiteln. Man erkennt ein klein wenig welche Art von Inhalten entfernt wurden um den Film zu straffen. 131min geht diese Fassung nun hier in HD und liegt damit ungekürzt vor. Die Intro von Giulio Petroni, die bei Einlegen der Disc als erstes starten sollte, geht darauf ein. Außerdem gibt es als Extra eine entfallene Szene mit Audiokommentar von Petroni. Diese dauert mehr als zwei Minuten, geht aber ohne Ton. Es existiert hier keine Textgrundlage mehr, die Szene aber hätte die Beziehung zwischen Tepepa und Madero wohl etwas mehr ausgefeilt. Insbesondere allerdings gibt es hier einen untertitelten Audiokommentar mit Regisseur Giulio Petroni. Sowas gibt es bei Italowestern äußerst selten und lädt ein, tiefer in den Film einzusteigen.

Die Bildqualität ist sehr solide, schwächelt nur wenig und folgt dem gewohnt sehr hohen Standard bei Koch Media. Der Ton ist ebenfalls solide, und die Untertitel von der Übersetzungsqualität her gut gemacht. Insgesamt also ein rundum gelungenes Paket, ein Blindkauf für Fans und eine gebührende Umsetzung auf Heimkino dieses Klassikers.

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Artikel verfasst von Sebastian Haselbeck, Gründer, Chefredakteur und Eigentümer der SWDb, kümmert sich um alles. Er ist 33 Jahre alt, lebt in Berlin, und betreibt noch eine Reihe weiterer Filmseiten, z.B. Nischenkino.de, Grindhousedatabase.com, Robert-Rodriguez.info und Tarantino.info. Im echten Leben Arbeitet er für die Regierung.
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