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Zwei Himmelhunde im Wilden Westen - Ben und Charlie BluRay Kritik

From The Spaghetti Western Database

Besprechung der BluRay Veröffentlichung des Films Ben und Charlie (1972; auch bekannt als Zwei Himmelhunde im Wilden Westen) von Explosive Media erschienen im Oktober 2021.

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Film

Der Film handelt von dem kleinen Gauner Ben (Giuliano Gemma) der bei seiner Entlassung aus dem Knast von seinem alten Kumpel Charlie (Luigi Montefiori alias George Eastman) empfangen wird. Doch das Klassentreffen währt nicht lange, der will mit ihm nichts mehr am Hut haben und so gehen sie getrennte Wege. Das Schicksal meint es mit Charlie allerdings nicht gnädig, und so Kreuzen sich die Wege der beiden fast schon regelmäßig. Ben hat nach einem kurzen Wiedersehen mit seiner alten Flamme Sara (Marisa Mell) die Nase voll von seinem armen Dasein in Lumpen und ohne Essen, und überfällt kurzerhand eine Bank. Charlie macht er bei seiner Flucht ungewollt zum Komplizen und schon sind die beiden flüchtige Kriminelle. Hinter ihnen her ist vor allem Detective Hawkins (Giacomo Rossi Stuart) und der korrupte Sheriff Walker (Aldo Sambrell). Charlie versucht, die Verfolger abzuschütteln, aber sie hängen nun tief drin in der Kriminalitätsspirale. Sie tun sich zuerst mit einem kreativen Bankangestellten zusammen, den sie Drei Prozent (Vittorio Congia) nennen, benannt nach dem Anteil den er von der Beute einsteckt, und kurzzeitig müssen sie sich auch mit einer Ganovenbande um Charro (Remo Capitani) und Butch (Nello Pazzafini) abfinden....

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Die Geschehnisse laufen in Ben und Charlie am Ende schlichtweg aus dem Ruder, und obwohl man auf Druck des Studios ein Happy End daraus gemacht hat, driftet die Story ab der Hälfte ein wenig ins Grimmige. Was ist über diesen Film sonst zu sagen? Vor allem handwerklich - das zeigt sich am offensichtlichsten - bietet der Film recht viel, von der großartigen und ambitionierten Kamerarbeit über die gut gelaunten Darsteller bis hin zu den vertrauten typischen Locations macht der Film vieles Richtig was das Fanherz höher schlagen lässt.

Dabei ist der Film im Vergleich weniger gut in der Ecke der Trinity-Filme zuhause, sondern stellt eher eine Interpretation der Buddy-Komödie á la Butch Cassidy and the Sundance Kid dar, der 1969 in den USA erschien. Montefiori und Gemma stehen Newman und Redford in nichts nach finde ich, und der Film steht auch gut auf seinen eigenen Füßen. Ähnlichkeiten sind natürlich gewollt, aber halt eher weniger mit den Terence Hill Filmen als zum Beispiel mit Amigos und auch Friss oder Stirb. Dabei, ich hatte es schon angedeutet dass Druck des Studios da war, ist das Drehbuch holprig, die Story zu episodenhaft. Die Vision Montefioris und die der anderen Beteiligten lief zunehmend auseinander. Das merkt man. Charaktere kommen und gehen, der Film zieht sich, er versucht zu viele Zutaten auf sich zu vereinen und es allen recht zu machen. Dabei verspielt er die vielen handwerklichen Qualitäten ein wenig, durch ein aufgeblähtes Narriativ dieser Odyssee, die zwischendurch gar etwas langweilig wirkt. Wer die Geduld aufbringt hier durchzuhalten wird belohnt von den klassischen Kulissen, prima Stunts, cleveren Actionsequencen, Schießereien, ein paar flotten Sprüchen und einem soliden Score von Gianni Ferrio (Ein Loch im Dollar).

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Der Film hatte eben leider viele Köche, darunter Montefiori, der Mitautor war, ebenso wie Sergio Donati den man später hinzuzug. Kamera führte Joe D'Amato, mit dem Montefiori auch noch diverse weniger Familientaugliche Leinwandabenteuer inszenierte. Marisa Mell verleiht dem Film wenigstens kurzzeitig ein wenig Glamour, ansonsten ist er aber eine ganz und gar staubige und männliche Angelegenheit. Man kann heute behaupten, was wäre das vielleicht für ein toller Film geworden, wenn Montefiori seine Vision realisieren hätte können? Das Ergebnis ist so leider nicht ausbalanciert. Man merkt dass der Spagat zwischen locker flockiger Klamotte und bittersüßer Westernballade mit grimmigen Ende nicht aufging. Außerdem dominiert Gemma in Art und Stimmung auch auf der Leinwand, wo er den ernsten und nachdenklichen George Eastman quasi an die Wand spielt. Es bleibt ein Italowestern Kuriosum, aber auch ein unterschätztes, trotz aller Mankos.

Die Bluray

Explosive Media spendiert dem Film gleich zwei Mediabooks (der Unterschied ist das Covermotiv) in dem jeweils zwei BluRays schlummern, eine für die internationale Fassung und eine für die wenige Minute kürzere sogenannte italienische Kinofassung. Erstere habe ich mir nochmal komplett zur Genüge geführt, und dann die zweitere lediglich zum Vergleich in Stichproben untersucht.

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Die BluRay bietet sehr sehr gutes Bild. Es ist total scharf, bietet gute Schwarzwerte und satte Farben. Die 2K Abtastung scheint wirklich gelungen und das Ausgangsmaterial auch sehr gut in Form gewesen zu sein. Nur manchmal erscheint das Bild ein klein wenig zu weich, insgesamt ist es aber eher Spitzenklasse, die Breitbild Aufnahmen kommen voll zur Geltung, eigentlich sieht das zu gut aus für diesen Film. Es gibt ein paar Szenen in denen ich Streifen entdeckte, das sieht ein wenig aus wie Schatten der durch eine Jalousie fällt, das ist etwas irritierend und könnte auch am Encoding liegen.

Der Ton klingt recht erdig (Italianisch gestestet) und zeigt nur selten wenige Schwächen oder Schwäden, auch die englische Spur ist in Ordnung. Es gibt in einigen Foren Beschwerden über die dutsche Tonspur zu lesen mit Berichten zu Umtauschaktionen. Zwar habe ich keine andere/ältere Fassung mehr zum Vergleich, aber die dt. Spur klingt in der Tat nicht sehr gut. Das ist nach meinem Empfinden aber eher ein Problem der Disc mit der Langfassung. Wobei einfach insgesamt die deutsche Sychro recht schlecht ist von der Machart.

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Während die Langfassung englischen Ton und auch optionale englische Untertitel mitbringt, fehlen diese bei der Kurzfassung. Beide Untertitel Optionen (Englisch, nur bei der Langfassung, wie Deutsch) erscheinen mir stichpunktartig beurteilt bei weitem nicht perfekt und oft keinesfalls akkurat, ich entschied mich diesmal, den Film auf Italienisch zu sehen mit englischen Untertiteln, aus "Angst" vor zu viel Klamauk. Begeistert war ich nicht, nächstes mal wähle ich doch nochmal die deutschen Untertitel und gucke auf Englisch oder so, manchmal muss man einfach etwas kombinieren um dem Drehbuch näher zu kommen.

Leider konnte ich keinen detaillierten Vergleich finden, wo gennau der italienischen Kinoversion Szenen fehlen, dass sie auf fast fünf Minuten weniger Laufzeit kommt (112:12 verglichen mit 107:53 Minuten laut Anzeige des Abspielgeräts).

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Extras sind auf der Langfassung nur Trailer und Bilder, auf der anderen Disc kommt noch ein 28-minütiges Interview mit Montefiori hinzu ,das relativ aktuell ist und als wichtiges Dokument zu diesem Film gibt, wenn es auch vielleicht von der Erinnerung einer Person eingefärbt sein mag. Sehr interessant zu sehen. Eingeklebt ist ein ganz nettes Booklet mit schönen Hochglanzfotos und ein paar Hintergrundinfos zu Film und Beteiligten.

Fazit: Eine großartige BluRay, die sich lediglich Patzer beim deutschen Ton erlaubt (und vielleicht auch mit Seamless Branching auf eine Scheibe gepasst hätte) und den Film in großartiger Qualität präsentiert. Der Film hat viele Qualitäten, die ihn trotz seiner Längen und Unausgewogenheiten zu einem prima Italowestern machen, der in dieser Form reif für eine Wiederentdeckung ist.

Verfasst von Sebastian und publiziert am 21. Februar 2022.

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