1000 Dollar Kopfgeld DVD Review

From The Spaghetti Western Database

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Rezension der Koch Media Veröffentlichung von 1000 Dollar Kopfgeld (aka The Price of Death), erscheint am 5. März 2010 als Teil der Italowestern Collection.

Der Film

Der Film beginnt, recht Genre-typisch, mit einem Mord. In kompletter Gialli-Manier sieht der Zuschauer diesen jedoch aus der Perspektive des Mörders: Ein Kampf um Leben und Tod, den der Unbekannte gewinnt und das mexikanische Mädchen stirbt. Schnitt in den Saloon. Drei maskierte Banditen überfallen den Barkeeper und erschießen infolge des Überfalls eine Prostituierte und den Barkeeper. Auf dem Weg aus dem Saloon werden zwei der drei Banditen vermeintlich vom Sheriff erschossen. Gleich am nächsten Morgen steht für die Bürger der Stadt fest, dass Chester Conway (Klaus Kinski) der Bandit und Mörder ist. Sein Pflichtverteidiger ist da komplett anderer Meinung, doch der Prozess vor Gericht ist alles andere als gerecht. Es wird deutlich, dass die Bürger dieser Stadt etwas zu verbergen haben. Der Rechtsanwalt heuert seinen alten Freund, den Detektiv Silver...äh Mr. Silver an, damit dieser den wahren Täter des Saloonüberfalls findet. Es beginnt ein Krimi mit Schmutz und Wendungen...

Kritik

Wie eingangs beschrieben, handelt es sich bei 1000 Dollar Kopfgeld um keinen reinen Western, er ist vielmehr ein Hybrid aus Western und Giallo. Und das tut ihm sichtlich gut. Der Zuschauer wird verwirrt, denn der Mord an dem mexikanischen Mädchen gerät in den Hintergrund, bis er am Ende wieder thematisiert wird. Zwei Handlungsstränge verlaufen (ungeahnt) parallel, sodass in typischer Krimiart gerätselt wird. Auch das Design des Films, beispielsweise die spezielle Atmosphäre im Saloon, ist eher Giallo- denn Western-typisch. Was auf der einen Seite für Spannung und Handlung sorgt, enttäuscht den reinen Western Fan wohl etwas. Denn Actionszenen sind rar und auch die erhoffte Präsenz Kinskis bleibt hinter jener eben nur zurück. Dafür liefert Regisseur Lorenzo Gicca Palli einen Hauptdarsteller Holmescher Art, der, dem Schauspieler Gianni Garko geschuldet, nichts von Sartana vermissen lässt. Mr. Silver ist ein Detektiv, der scheinbar jeden Fall im Schlaf löst und dabei auch noch verdammt cool aussieht. Dem Erfolg der Sartana-Filme geschuldet, bekommt Mr. Silver die eine oder andere Spielerei verpasst und ist auch sonst nicht verlegen, große Sprüche zu reißen. Und so wandelt 1000 Dollar Kopfgeld zusätzlich auf dem Grat zur Komödie, denn an komischen Momenten fehlt es dem Film auch nicht. Jedes Mal, wenn die Arbeiter die Claims abstecken, artet dies in einer Schlägerei aus; der Rechtsanwalt steigert seine Bekanntheit und Klasse mit jeder Erzählung ("Ich bin der beste Rechtsanwalt im Umkreis von 100 Meilen...200 Meilen" etc.) und Mr. Silver (der immer Mr. Silver und nie nur Silver genannt werden will) lebt auf einer Hacienda und lernt dort asiatische Kampfsportarten. Doch in keinem Moment arten die lustigen Spielereien in Klamauk aus und es bleibt bis zum Ende ein spannender Giallo-Western. Kinski taucht dabei eigentlich nur als Nebenrolle auf, was schade ist, die Minuten mit ihm sind dennoch sehr stark. Am Ende sagt man sich zum zigsten Mal, dass es eine typische Kinski Rolle war...

Ein interessanter Punkt, der im mitgelieferten Featurette "Giallo Western" auftaucht, ist, dass während des Drehs zu 1000 Dollar Kopfgeld Harcore-Sex-Szenen entstanden sind, die sowohl Darsteller des Films als auch unbekannte Mädchen enthielten. Leider kann sich keiner der Akteure mehr an diese Szenen erinnern. Dass der Hardcore-Dreh für den damals sensibilisierten ausländischen Markt gemacht wurde, ist eine Möglichkeit. Zumindest würde dies das Bild der nackten Frau auf dem Aushang-Foto erklären. Denn im gesamten Film kommt keine einzige nackte Frau vor...

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Die DVD

Was soll man anderes schreiben als: gewohnt gute Koch-Qualität. Auch hier stehen sich die Köche in nichts nach und präsentieren den Film ungeschnitten und sehr gut restauriert. An keiner Stelle fallen Artefakte und Unreinheiten ins Auge. Auch der Ton ist in Ordnung - die deutsche Synchronisation wirkt zwar anfangs sehr aufgesetzt, fängt sich im Laufe des Films jedoch deutlich. Anders als auf der Verpackung vermerkt, schenkt Koch den Fans deutschen und italienischen Ton, sowie deutsche und englische Untertitel. Die Extras umfassen eine Bildergalerie mit guten Postern und Aushangfotos und ein sehr interessantes, 21-Minütiges Featurette namens "Giallo Western". Dieses beschreibt anfangs die Entstehung des Western-Hybriden, doch taucht später tiefer in die Zeit und den Film ein. Definitiv sehenswert, da es wohl eins der letzten Interviews des 2009 verstorbenen Kameramanns Franco Villa ist. Außerdem mit dabei: Gianni Garko (super über die Zusammenarbeit mit Kinski) und Filmhistoriker Antonio Bruschini. Der Klappentext von Steffen Wulf ist sehr informativ und bringt dem geneigten Fan noch einiges an Hintergrundwissen.

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Urteil

Dieser Genre-Mix brachte etwas frischen Wind in das von der Zeit geplagte Genre des Italowestern im Jahre 1971. Trotz dem auf viele Action- und Bettszenen verzichtet wurde, weiß 1000 Dollar Kopfgeld durch seine tiefere Handlung und guten Hauptdarsteller durchaus zu überzeugen. Selbst die kurze Zeit mit Kinski macht enorm Spaß und bereichert den gut durchdachten Beitrag um einiges. Aufgrund der sehr guten Qualität der DVD und des äußert spannenden Featurettes ist diese DVD zu empfehlen. Nichtzuletzt, weil 1000 Dollar Kopfgeld für jeden Geschmack etwas parat hält.

--Lode 17:07, 1 March 2010 (UTC)

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Diese DVD wurde uns von Koch Media zur Verfügung gestellt

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